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18. November 2017 | 07:52 Uhr

Die Schönheit des Eises

vom

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2012 | 10:56 Uhr

Insel Ruden | Noch Mitte Januar pflückten Ulla Toth und Conrad Marlow auf "ihrer" kleinen Insel Blumen. Herbstliche Astern blühten auf den Wiesen der Ostseeinsel Ruden, und die Natur begann bereits Anlauf für den Frühling zu nehmen. "Doch dann ging alles ganz schnell", erzählt Conrad Marlow. Am 27. Januar fuhr das Paar noch mit einem Fischkutter für eine Beratung in der Anklamer Naturschutzbehörde zum Festland. Einen Tag später musste sich der Kutter auf dem Rückweg bereits durch Eisbrei arbeiten. "Und noch einen Tag später", so berichtet der 60-Jährige weiter, "war alles dicht." Seitdem umschließt ein Eispanzer die kleine, zwischen Rügen und Usedom gelegene Insel.

Ulla Toth (63) und Conrad Marlow wohnen seit 2004 als Naturschutzwarte auf dem Ruden - mit allen Einschränkungen, die ein Inselleben mit sich bringt. Der Strom wird über einen Dieselgenerator erzeugt, das Trinkwasser bunkert das Paar in Tanks. Im Sommer hat ein solches Leben zweifellos Charme. Egal, ob Süden, Osten, Norden oder Westen - das Wasser liegt immer in Reichweite und die spektakulärsten Sonnenaufgänge - das finden zumindest die beiden - gibt es eben nur hier auf der zwei Kilometer langen und 400 Meter breiten Insel. Das Leben auf der Insel hat sie ruhiger und gelassener werden lassen, ist Marlow überzeugt. "Dieses Schnell-Schnell, diese Hektik haben wir hier nicht", sagt er. "Wir können wieder mehr genießen."

Doch nun hält der dritte Frostwinter in Folge die zwei Bewohner der Ostseeinsel in einem Eispanzer gefangen. Kein Eisbrecher steuert die Insel an, keine Post erreicht das Paar. Obst und Gemüse gibt es nur aus der Konserve. Einen Inselkoller haben die beiden trotzdem nicht, beteuert Marlow. "Wir haben doch bereits Februar. Der Winter wird ein kurzer." Die tiefen Frosttemperaturen Anfang der Woche mit bis zu minus 24 Grad Celsius haben allerdings auch das Paar zittern lassen. Der frühere Gastronom schaut seitdem öfter auf die Dieselvorräte und seinen in die Jahre gekommenen Generator in einem ehemaligen Stallgebäude. Noch seien die Temperaturen in dem geschützten Gebäude nicht so tief, dass der Dieselkraftstoff ausflocke. Die Trinkwasservorräte stehen im frostfreien Keller des Hauses. Die Essensvorräte reichen bis Ende März.

Auch wenn derzeit kein Schiff den Hafen ansteuern kann, haben Ulla Toth und Conrad Marlow in ihrer selbst gewählten Einsamkeit keine Langeweile. Jeden Vormittag begeben sich die beiden auf einen Rundgang über die Insel, beobachten, wie sich die Seeadler auf tote Wasservögel stürzen oder lesen die Fährten der Fischotter im Schnee. "Auf den Steinmauern hat sich ein dicker Eispanzer gebildet. Wunderschön", schwärmt Conrad Marlow. Er hält dieses Naturschauspiel mit seiner Kamera fest.

Zudem nutzen sie die Winterzeit, um Bildmaterial für eine Ausstellung zu sortieren, die im Sommer im ehemaligen Messturm auf der Insel gezeigt wird. In wenigen Monaten, das wissen die beiden Insulaner, werden wieder Ausflugsschiffe die Insel ansteuern.

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