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23. November 2017 | 14:27 Uhr

Die Rettung auf vier Pfoten

vom

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 10:02 Uhr

Shadee bekommt ihr Brustgeschirr angelegt. Für die anderthalbjährige Hovawarthündin das Zeichen: Jetzt wird es ernst. Dann gibt Patricia Stark auch schon das Kommando: Shadee riech! Die Hündin nimmt den Geruch auf. Im Laufschritt geht es Richtung Wald - vorne weg Shadee am andere Ende der Leine die 25-jährige Hundeführerin. Kondition wird nicht nur dem Vierbeiner abverlangt, sondern auch seiner Führerin. "Eine halbe Stunde am Stück kann ein ausgebildeter Mantrailer, sprich ein Hund, der auf die Suche eines Menschen trainiert ist, seine Arbeit machen. Das hängt natürlich auch von der Rasse ab. Jagdhunde beweisen da noch größere Ausdauer", berichtet die junge Kletzkerin. Und sie weiß, wovon sie spricht. Sie ist ausgebildete Tierarzthelferin, Hundetrainerin, Hundeverhaltenstherapeutin und Mitglied sowie Ausbilderin der Rettungshundestaffel der Wittenberger Feuerwehr.

Vom Welpen bis zum Senior bringt sie auf Wunsch jedem bellenden Vierbeiner die "gesellschaftsfähigen" Verhaltensregeln bei. Aber wie bei den Menschen gibt es auch unter den Vierbeinern Problemkinder. Solche, die aufgrund schlechter oder eben gar keiner Erfahrungen mit Zweibeinern nicht können oder die Artgenossen "zum Fressen" lieben bzw. die einfach nur Chefallüren herauskehren. Und sie bildet sogenannte Mantrailer und auch Flächensuchhunde aus.

Die Vierbeiner sind Patricia Starks Leben, spätestens seit sie 15 war. Eine Hovawarthündin hatte sie damals, doch die machte eine auf Chefin in der Runde. Das wollte sie ändern und kam so zum Schäferhundeverein Wittenberge. Ihr Hund erlernte das Einmaleins des Zusammenlebens und "ich jede Menge unter anderem auch über das Urverhalten der Tiere". Die 25-Jährige blieb dabei, absolvierte eine Fortbildung nach der anderen und machte schließlich ihr Hobby zum Beruf. Ausbildung zur Tierarzthelferin in Hannover, anschließend zur Hundetherapeutin in Essen und dann kam sie zurück in die Prignitz. Ihre Fähigkeit, den Besitzern von Vierbeinern den hundgerechten Umgang zu vermitteln, sprach sich schnell rum. Sie war gefragt, doch einen Job in einer Praxis ergab sich nicht. So machte sich die junge Kletzkerin mit einer mobilen Hundeschule selbstständig. Und zur Schule gehen bei ihr eben auch potentielle Such- und Rettungshunde. "Das sind von ihrem Wesen her schon besondere Hunde. Sie müssen eine enge Bindung zu ihrem Halter haben, ebenso einen guten Grundgehorsam, dürfen nicht zu ängstlich sein und müssen Menschen einfach toll finden." Trainiert wird zumeist in der Gruppe, denn die Tiere sollen und müssen auch andere Menschen kennen lernen. Doch was ein richtiger Such-und Rettungshund werden will, für den geht es zuhause weiter. "Er will und muss ständig gefordert werden." Während ein Mantrailer ausschließlich auf die Suche eines Menschen abgerichtet wird, ist der Flächensuchhund trainiert, in einem abgesteckten unwegsamen Gelände vermisste Personen ausfindig zu machen. "Er läuft frei und reagiert auf alles Menschliches - Personen, die am Boden liegen oder hocken, auf Bäumen oder Hochsitzen sind, auf Kinder."

Zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung für Hund und Hundeführer, denn auch letzterer muss etliche Prüfungen mit Erfolg bestehen bevor er sich Rettungshundeführer nennen und als solcher mit seinem vierbeinigen Teamkollegen eingesetzt werden darf. Trainiert wird aber weiter, möglichst jeden Tag. Und dabei ist die Nase, ist der Geruchssinn, der bei einem Hund kurz nach der Geburt als einziger bereits komplett ausgebildet ist, worauf es ankommt. Und eben absolutes Vertrauen zwischen Vier- und Zweibeiner, "nur so agiert ein Hund auch in brenzligen Situationen, ist bereit, beispielsweise ein Erdloch abzuchecken, ob sich darin möglicherweise ein Mensch in einer Notlage befindet."

Noch ist die anderthalbjährige Shadee in der Ausbildung. Mit zwölf Wochen begann diese für sie, und sie hat sichtlich Spaß an der stetigen Heraufforderung, die Spur aufzunehmen und zu finden. Nach getaner Arbeit folgt natürlich die Belohnung in Gestalt von Leckerli oder dem Lieblingsspielzeug. Und natürlich dürfen auch die Streicheleinheiten nicht fehlen.

"Die Arbeit mit dem Hund ist kein Hobby, das ist eine Berufung", so Patricia Stark. Für sie ist ihr Vierbeiner ein Familienmitglied, das viel Aufmerksamkeit braucht und auch fordert. "Dann ist es auch bereit, bedingungslos dem Kommando seines Hundeführers zu folgen. Und hat dabei auch noch Spaß."

Die Rettungshundestaffel der Wittenberger Feuerwehr habe inzwischen die erste einsatzfähige Hündin, drei sind in Vorbereitung auf die Einsatzprüfung für die Fläche. Die Mantrailer sind noch in der Ausbildung. Immer freitags drei bis vier Stunden und sonntags meist sechs Stunden ist Training. Dazu kommt dann auch noch die Grundausbildung der Feuerwehr. "Da muss der Partner auf zwei Beinen schon mitziehen", gesteht schmunzelnd die 25-Jährige und zwinkert ihrer Shadee zu.

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