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23. November 2017 | 04:58 Uhr

Die Nachbarin

vom

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2012 | 09:10 Uhr

Für Mafalda Hohlfeld, die Chemikerin aus Sachsen-Anhalt, war es 1986 wie ein Lottogewinn, eine Neubauwohnung an der Ostsee zu bekommen. Erstbezug im Sonnenblumenhaus Nummer 15. Vor einem Aufgang standen die Möbelwagen, am nächsten wurde noch gebaut. "Das Wort Arbeiterschließfach verletzt mich heute noch", sagt sie. Bunt gemischt sei ihre Nachbarschaft gewesen: Arbeiter und Akademiker wohnten Wand an Wand, drei Aufgänge weiter vietnamesische Vertragsarbeiter. Mafalda Hohlfeld kann sagen: "Ich war nicht einen Tag arbeitslos." Eine Seltenheit Anfang der 1990er-Jahre, als sich Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst und Unzufriedenheit ausbreiten.

Die Nummer 18 im Sonnenblumenhaus wird zur Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber. "55 Wohnungen mit ein, zwei, drei und vier Zimmern gab es pro Aufgang. Da war schon rein rechnerisch klar, dass dort höchstens 500 Menschen Platz hatten", sagt Mafalda Hohlfeld. Ab Frühsommer 1992 bleiben viele vor der Tür. "Es waren einfach unmögliche Zustände. Und die Politik hat nichts unternommen."

Mafalda Hohlfeld sieht, wie der Schrecken seinen Lauf nimmt: Hasserfüllte Randalierer. Überforderte Polizisten. Kamerateams auf dem Dach der Kaufhalle. Krawalltouristen. Schließlich brennt das Wohnheim der Vietnamesen, 115 Menschen flüchten übers Dach in den Aufgang 15. Das Notlager, das Hohlfelds und ihre Nachbarn im Trockenraum aufgebaut haben, nutzen die Flüchtenden nicht. Sie hatten beim Abstieg durch den Elfgeschosser die Hoffnung auf Hilfe aufgegeben. Nur eine Tür war aufgegangen, in der 7. Etage. Mafalda Hohlfeld wohnte damals in der 5.

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