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24. November 2017 | 10:45 Uhr

Hintergrund : Die Magie der guten Vorsätze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gesünder essen, nicht mehr rauchen , mehr Bewegung: Gute Vorsätze gehören zum Jahresanfang wie das Feuerwerk in der Silvesternacht. Warum ist das so?

Viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Dieser alte Brauch hänge damit zusammen, dass Menschen ihr Leben zu einem erheblichen Teil selbst gestalten können, sagt der Berliner Professor Christoph Wulf im Interview mit Margret Scholtyssek.

Seit wann gibt es den Brauch der guten Vorsätze für ein neues Jahr?

Wulf: Dass Menschen Vorsätze fassen, ihr Leben verändern wollen, das ist ein sehr alter Brauch. Den gibt es auch in anderen Kulturen.

Warum ist das so?

Das hängt mit der Konstitution des Menschen zusammen. Wir können unser Leben ein Stück selbst gestalten. Tiere sind instinktgeleitet und haben keine Handlungsfreiheit. Wir Menschen hingegen haben die Freiheit, zwischen Alternativen zu wählen und Entscheidungen zu fällen. Indem Menschen Wünsche haben, richten sie ihre Energien in eine bestimmte Richtung; sie wollen dann etwas erreichen. Das hat auch etwas mit Magie zu tun. Man will Einfluss auf sein zukünftiges Leben gewinnen. Es gibt einen Impuls, in dem ich ausdrücke: Das kann ich machen, das ist mein Wunsch, mein Wille. Gleichzeitig gibt es den Wunsch, es möge mir jemand dabei helfen, sei es Gott, seien es Freunde, sei es das Schicksal. Da spielt dann diese magische Vorstellung eine Rolle, mit der ich die Zukunft zu beeinflussen hoffe. Früher wurde dies oft als Aberglaube abgetan. Doch das muss man sich genauer ansehen. Wir wissen aus vielen Forschungen, dass Entscheidungen, die wir auf der Grundlage von Gefühlen und Wünschen treffen, oft sehr viel wirksamer sind als Entscheidungen auf der Grundlage rationaler Vorstellungen.

Warum ist der Jahreswechsel dabei ein so besonderes Datum?

Das ist in vielen Kulturen so. In Japan bedankt man sich zum Beispiel bei den Geistern in der Silvesternacht erst einmal für das gute letzte Jahr und wünscht sich, dass das neue Jahr auch Gutes bringt. Auch bei uns wird das Jahresende als Einschnitt empfunden, es wird etwas abgeschlossen und man hofft, etwas Neues beginnen zu können.

Ist bei den guten Vorsätzen das Scheitern nicht schon programmiert?

Wir sind nicht vollkommen. Wir haben immer Schwächen und Brüche in uns, die uns daran hindern, unsere Wünsche zu realisieren. Diese Unzulänglichkeiten zeigen sich natürlich auch bei solchen Vorsätzen, die eben, wenn sie nur Vorsätze sind, nicht so einfach realisiert werden können. Da müssen noch andere Faktoren hinzukommen.

Es lässt sich nicht alles verwirklichen, was man sich wünscht. Aber das heißt natürlich nicht, dass man sich nicht Dinge vornehmen kann, dass man sie nicht angehen kann und dass man sie nicht wenigstens zum Teil realisieren kann.

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