Die goldenen Jahre sind vorbei

svz.de von
12. Juli 2012, 09:25 Uhr

Die Zahl der Schulabgänger ist in den vergangenen 20 Jahren auf ein Drittel des einstigen Niveaus von 27 000 Lehrstellenbewerbern gesunken. Inzwischen übersteigt die Zahl der Ausbildungsplätze regelmäßig die Summe der Bewerber. Und das ist noch nicht das Ende. Sollte es an den Schulen tatsächlich irgendwann gelingen, die Studierquote auf bundesdeutsches Niveau anzuheben, dann werden Lehrlinge zu Goldstaub. Also, alles gut für den Start ins Berufsleben? Bei weitem nicht.

Sie kommen irgendwie nicht zusammen, die freien Lehrstellen und die suchenden Schüler. Da gibt es das regelmäßige Jammern der Firmenchefs über das niedrige Niveau der Schulabgänger, die entweder nicht Eins und Eins zusammenzählen oder Zählen nicht buchstabieren können. Das Bildungsniveau der Schulabgänger reicht oft nicht an die Ansprüche der Chefs heran. Manchmal kann es auch nicht heranreichen... Vor allem nicht angesichts der oftmals gebotenen Lehrlingsvergütung und des in Aussicht stehenden Lohnes. Damit schafft man keine Anreize – weder für die Firma, noch für das Land. Sieht man sich die Hitliste der offenen Stellen an, weiß man, woher der Wind weht: Köche, Kellner, Zimmermädchen. In der Erfolgsbranche Tourismus herrscht die größte Not. Da stimmt etwas nicht.

Hinzu kommt: In den Firmen wird man darüber nachdenken müssen, auch Bewerber einzustellen, um die man sich etwas mehr kümmern muss. Klar, das Privat-Unternehmen ist nicht der Reparaturbetrieb für das Versagen der Schulen und des Staates. Aber, gibt es eine Alternative? Nein!

Arbeitsämter, Kammern und Vereine können flankieren.Sie können Einstiegsqualifizierungen und Langzeitpraktika anbieten, bei denen sie sogar Teile des Lehrlingsentgeldes übernehmen. Aber das alles sind lediglich temporäre Hilfen. Um den Nachwuchs sorgen müssen sich die Unternehmer wie nach wie vor selbst.

Die goldenen Jahre sind vorbei.

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