Die Geldmaschine

Brachte Millionen ein: die CD-Produktion in Dassow. Jetzt ist das Werk trotzdem pleite. Foto: dpa
Brachte Millionen ein: die CD-Produktion in Dassow. Jetzt ist das Werk trotzdem pleite. Foto: dpa

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07. Februar 2008, 07:53 Uhr

Schwerin - Der politische Schlagabtausch um das in die Pleite gerutschte einstige Vorzeigeunternehmen CD-Werk Dassow wird heute einen vorläufigen Höhepunkt erreichen. Die Krise war absehbar und trotzdem sei weiter gefördert worden, so die Opposition. Kein Grund zur Beanstandung, wird die Landesregierung heute im Wirtschaftsausschuss entgegenhalten.

Was der Wirtschaftsausschuss heute zu hören bekommt, wird die Diskussion um die Wirtschaftsförderung neu entfachen. 33 Millionen Euro hat das Werk in Dassow seit 1998 an Investitionshilfen zugesprochen bekommen. Förderung von Pestigeobjekten, wetterte die FDP. An der Prüfung der Frage, ob das Werk auch ohne Beihilfen dauerhaft lebensfähig gewesen ist, gebe es„massive Zweifel“, hatte FDP-Fraktionschef Michael Roolf kritisiert.

Land sei unschuldig
Das lässt Ex-Wirtschaftsminister und heutiger Verkehrsminister Otto Ebnet (SPD) nicht gelten. Angesichts einer seit 2005 von 23,6 auf 16,5 Prozent gefallenen Arbeitslosenquote würden die Ergebnisse der Industrieansiedlungspolitik für sich sprechen, meinte er, bevor er heute gemeinsam mit Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) zum Rapport antreten wird. „Wir haben nichts zu verbergen“, meinte er. Es gebe keine Belege dafür, dass das Land 2005 über die Lage im CD-Werk informiert gewesen sein soll. Auch der Vorwurf von Ex-Arbeitsminister Helmut Holter (Linke), es hätte dem Land Warnung genug sein müssen, dass Dassow-Chef Wilhelm F. Mittrich in den 90er-Jahren mit dem Pecunia-Marina Ueckermünde eine millionenschwere Pleite hingelegt habe, sei nicht haltbar. Mittrich sei erst 1998 in das Projekt eingestiegen, meinte Ebnet.

Das Beihilfeverfahren weist Ebnet zufolge keine Lücken auf. Bei allen Anträgen sei die Marktlage geprüft worden. Auch bei Vor-Ort-Kontrollen habe es „keine Auffälligkeiten“ gegeben. Selbst Prüfungen der EU seien ohne Beanstandung geblieben.

Spielball der weltweiten CD-Branche
Egal wie die politische Aufarbeitung der Förderakte CD-Werk ausfallen mag, in Dassow drückt die Zeit. Die Lieferanten der größtenteils geleasten Maschinen sitzen Insolvenzverwalter Marc Odebrecht im Nacken. Sie könnten von heute auf morgen die Anlagen abziehen. Dassow ist aber auch zum Spielball der weltweiten CD-Branche geworden. Bei den Großen der Gilde sitzt der Frust über die Schmiede von der Ostsee tief. Mit seinen Kampfpreise hatte Mittrich den Markt gründlich durcheinandergebracht. Das brachte ihm zwar enorme Wachstumsraten, dem Land tausende neue Jobs und neue wachstumsbedingte Investitionen.


Allerdings brach ihm die Dumpingpreisstrategie ökonomisch das Genick. Inzwischen verfolgt die Branche mit Argusaugen die Gerüchte um das Engagement der Spin-Gruppe, hinter der Mittrich vermutet wird. Mit den Investoren führt Odebrecht Schlussverhandlungen. Kapazitäten, wie sie in Dassow aufgebaut wurden, werden nicht gebraucht. Die Player sind an Dassow nur interessiert, solange ihnen Mittrich nicht gefährlich werden kann. Den Standort würden sie am liebsten zerschlagen.

Insolvenz trotz hoher Gewinne
Dabei ist die Situation um das Dassower Werk schon verworren genug. Das Insolvenzverfahren verwundert angesichts der bis dahin ausgezeichneten Finanzlage: Wirtschaftsprüfer attestierten dem Unternehmen bis zum Schluss jährlich zweistellige Millionengewinne. „Das war eine Geldmaschine“, heißt es. So seien für 2004 ein Gewinn nach Steuern von mehr als zehn Millionen Euro angegeben worden, erinnert sich Ex-Aufsichtsrat Fritz Moisel.

Goldgrube
Seit dem Start des Werkes 1998 scheffelte Mittrich Millionen. Auch zehn Monate vor der Pleite bescheinigten Prüfer dem Unternehmen eine gute Finanzausstattung – und das, obwohl Lizenzstreitigkeiten das Unternehmen belasteten. Am Ende blieb ein positives Ergebnis im zweistelligen Millionenbereich. Verwunderlich nur, dass ein Jahr später nicht einmal genügend Geld für eine Transfergesellschaft für die von Kündigung bedrohten 1100 Mitarbeiter vorhanden war. Und da wirft es Fragen auf, wenn Mittrich wenige Monate vor der Pleite als Geschäftsführer ausgetreten war.

Weiteres Taktieren
Für Insider ist der Auftritt Mittrichs die Fortsetzung der bisherigen Taktik. Da wurde verschleiert, in der Firmengruppe hin- und hergeschoben und so Gewinne gemacht, berichten Branchenkenner. Auf jeden Fall seien die Gewinne kaum auf normale Geschäftstätigkeiten zurückzuführen gewesen. Spätestens 2005 sei in der Branche über Verluste in Dassow spekuliert worden.

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