Die ewige Baustelle

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17. Januar 2013, 09:25 Uhr

Berlin | Vor vierzehn Jahren verlegte der Bundestag seinen Sitz offiziell nach Berlin. Seitdem tagen die Politiker im Reichstag. Ministerien, Verwaltung, Ämter und Botschaften zogen seit dem Ende der 90er-Jahre in die neue Hauptstadt. Auch eine He rausforderung für das Verkehrskonzept unter der Erde. Doch die Planungs- und Baugeschichte der U55 erinnert stark an den neuen Flughafen Berlins. Auch wenn sie inzwischen seit mehr als drei Jahren in Betrieb ist.

Immer wieder war die Eröffnung verschoben worden. Probleme mit dem Grundwasserspiegel hatten die Arbeiten blockiert und verteuert. Zwischenzeitlich stand die Finanzierung insgesamt infrage. Bis heute wird nur ein kleiner Teil der ursprünglich geplanten Route betrieben. Der Rohbau des Bahnhofs "Bundestag" etablierte sich zwischenzeitlich als Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen, Theater und Kinofilme, statt als Verkehrsknotenpunkt.

Keine zwei Kilometer lang ist die Strecke der Kanzler-U-Bahn in Berlin. Sie verbindet den neuen Hauptbahnhof mit dem Brandenburger Tor. Ein kurzer Zwischenstopp wird am Paul-Loebe-Haus eingelegt. Dort haben die ständigen Ausschüsse des Bundestages ihre Büros und Sitzungsräume. Fahrtzeit zwischen den Endstationen: Etwa drei Minuten. Die U55 ist Deutschlands kürzeste und teuerste U-Bahn-Strecke, die hier verläuft. Rund 320 Millionen Euro soll der erste Bauabschnitt gekostet haben.

Bis 2019 soll die Linie weitergeführt werden. Dann sollen auch das Berliner Rathaus und der Alexanderplatz angeschlossen werden. Seit rund 17 Jahren wird inzwischen an der U55 gebaut, die ihren Spitznahmen "Kanzler-U-Bahn" trägt, weil sich einst Helmut Kohl für den Bau der Linie eingesetzt hatte. Bis die Linie in sechs Jahren am Alexanderplatz endet werden geschätzt weitere 300 Millionen in den Bau der Tunnel und Bahnhöfe fließen. 2002 hatte der Berliner Senat das Projekt gestoppt und seine Wirtschaftlichkeit infrage gestellt. Doch da waren schon Millionen an Fördergeldern geflossen. Es stand zu befürchten, dass die verschuldete Stadt die Zuschüsse des Bundes zurückzahlen muss, sollte die Bahnlinie nicht fertiggestellt werden. Also entschied man sich zum Weiterbuddeln unter dem Regierungsviertel.

Im August 2009 fuhr schließlich der erste Wagen auf den neuen Gleisen. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete die Linie damals als "U-Bahn der Einheit".

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