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20. Oktober 2017 | 14:44 Uhr

Buch : Die dunklen Machenschaften der Hells Angels

vom

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erstellt am 22.Okt.2012 | 09:45 Uhr

Berlin | Motorradfahren im Sonnenuntergang und wahre Männerfreundschaft? Damit haben viele Rockerclubs nur noch wenig gemein. Das gilt besonders für den weltgrößten Motorcycle Club (MC), den Hells Angels. Regelmäßig macht der Club auch hierzulande Schlagzeilen. Dabei geht es um Mord, Drogen, Waffen, Rockerkrieg.

Durch die mehr als 60-jährige Geschichte der Höllenengel ziehe sich eine Blutspur mit etwa 300 Toten, schreibt der Autor Stefan Schubert. In seinem Buch "Hells Angels" zieht er Bilanz und erläutert, "Wie die gefürchteten Rocker Deutschlands Unterwelt eroberten" - so der Untertitel des Werks.

Schubert greift Fragen auf, die hierzulande vor allem Politik und Behörden den Schlaf rauben: Eskaliert der Konflikt mit den Bandidos? Was nützen Verbote? Und existiert eine bundesweite kriminelle Struktur der Rockerclubs? Für ein bundesweites Verbot gilt das als Voraussetzung.

Auf 350 Seiten berichtet Schubert klar und anschaulich über Geschichte, Struktur und Machenschaften des Clubs und seiner traditionellen Feindschaft mit den Bandidos. Für seine Recherchen nutzte der Ex-Polizist alte Kontakte, sprach mit Rockern und hörte sich in der Hooligan- und Türsteherszene um, die eng mit den Rockern verflochten ist. Schubert kennt sich aus: Als Polizist führte er jahrelang ein Doppelleben als Hooligan.

Die Geschichte der Hells Angels beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Heimgekehrten US-Soldaten fiel die Rückkehr in den Alltag schwer. In ihrem Blut sei noch das Adrenalin geflossen, das sie hatte überleben lassen, schreibt Schubert. In den damals neugegründeten Motorradclubs fanden sie eine neue Heimat.

Dass es bald um mehr als nur Freiheit ging, zeigten 1947 die Ausschreitungen in der Kleinstadt Hollister bei einem MC-Treffen. Daran beteiligten sich der Legende nach nur ein Prozent der Biker. Der Begriff des Einprozenters war geboren, der außerhalb des Gesetzes steht. Seither tragen viele Rocker das "1%"-Abzeichen an ihrer Kutte.

Ein Jahr nach Hollister gründeten sich die Hells Angels. Schnell machten sie sich mit ihrer Brutalität einen Namen und stiegen ins Zuhälter-, Drogen- und Schutzgeldgeschäft ein. Mit anderen Clubs und insbesondere mit den 1966 gegründeten Bandidos lieferten sie sich Revierkämpfe - zunächst nur in den USA und Kanada. Seit den 70er-Jahren mischen die Rot-Weißen auch in Deutschland mit. 1973 hatten Hamburger mit Erlaubnis der US-Chefs das erste Charter der Hells Angels gegründet.

Heute ist Deutschland Hauptschauplatz im weltweiten Kampf um Macht und Einfluss geworden, wie Schubert schreibt. Hierzulande gebe es die höchste Clubdichte nach den USA. Die wichtigsten Ortsgruppen seien die MCs in Hannover und Berlin. Von hier aus steuerten die Höllenengel ihre Machenschaften in Europa.

Vor allem für den Osten sei die Hauptstadt strategisch wichtig. Zuletzt lieferten sich die Angels hier brutale Machtkämpfe mit den Bandidos. "Dass der Rockerkrieg auf Deutschlands Straßen das Potenzial birgt, einen europaweiten Konflikt auszulösen, belegen die aktuellen Vorkommnisse in Berlin", sagt Schubert.

Im Streit unter den beiden größten Clubs sieht er vor allem darin Zündstoff, dass immer mehr Nachwuchs mit ausländischen Wurzeln zu den Rockern stößt. Diese besitzen oft weder Motorrad noch Führerschein - sind dafür aber umso brutaler. Am Ende steht für Schubert fest: Die Macht der Clubs ist trotz medienwirksamer Verbote ungebrochen. Dafür hätten die Rocker über Jahrzehnte nahezu unbehelligt ihre Stellung festigen können.

Stefan Schubert: Hells Angels. Wie die gefürchteten Rocker Deutschlands Unterwelt eroberten.
Riva Verlag München, 300 Seiten, 19,99 Euro

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