zur Navigation springen
Neue Artikel

13. Dezember 2017 | 23:39 Uhr

Die Bakterien-Sammler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ohne Bakterien läuft nichts auf der Erde. Aber nur die wenigsten sind bisher erforscht. In Braunschweig werden mehrere Tausend aufbewahrt – in der weltweit größten Sammlung

Auf der Erde gibt es einige Milliarden Bakterien-Arten. Aber nur rund 10 000 sind bisher bekannt und erforscht. 82 Prozent dieser Arten werden in der Deutschen Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig aufbewahrt. Die Forschungseinrichtung mit rund 170 Mitarbeitern hat sich inzwischen zu einem überregional beachteten Kompetenzzentrum entwickelt.

Weltweit gibt es rund 600 solcher Sammlungen. „Wir sind, was den Umfang und die Vielfalt der Sammlung betrifft, das größte dieser Bioressourcenzentren“, stellt Instituts-Leiter Professor Jörg Overmann fest. In Braunschweig lagern derzeit 48 000 verschiedene Kulturen, allein 27 000 Bakterienarten und Pilz-Stämme, dazu menschliche, tierische und pflanzliche Zellkulturen, aber auch Tausende von Pflanzenviren und DNA-Sequenzen von Bakterien. „Unsere Stärke ist das Know-How, das wir für die Isolierung, Analyse, Kultivierung, Konservierung und Aufbewahrung von Mikroorganismen haben“, erläutert Overmann.

Die Sammlung ist öffentlich, wird überwiegend mit Mitteln des Bundes und der Länder finanziert und steht Wissenschaftlern von Forschungseinrichtungen und Industrielaboren in aller Welt zur Verfügung. Die können Mikroorganismen und Zellkulturen online zum Spezialversand bestellen. Deshalb analysieren und forschen die Mitarbeiter in Braunschweig nicht nur, sondern produzieren auch Kulturen auf Vorrat, die tiefgefroren oder gefriergetrocknet in kleinen Ampullen gelagert werden. Die DSZM hat derzeit 10 000 Kunden in 86 Ländern. „Im vergangenen Jahr haben wir 37 000 Einheiten verkauft, die jeweils aus Millionen von Mikroorganismen bestehen“, berichtet Overmann. Er betont aber: „Wir machen kein kommerzielles Geschäft. Wir liefern nur an Forscher – und die schauen wir uns bei jedem Auftrag genau an.“

Die Braunschweiger befassen sich aber nicht mit für Menschen gefährlichen und hochriskanten Viren oder Bakterien. Und ihre Sammlung wächst – jährlich allein um rund 400 Bakterienarten. Wenn ein Forscher irgendwo auf der Welt eine neue Bakterienart entdeckt, muss er sie bei zwei Sammlungen hinterlegen und zertifizieren lassen, das ist international geregelt. Die meisten neu entdeckten Arten kommen inzwischen nach Braunschweig.

Auch die niedersächsische Landesregierung beurteilt die Arbeit der Forscher als erfolgreich. „Die DSMZ hat sich ausgezeichnet zu einem überregional sichtbaren Kompetenzzentrum entwickelt“, meint Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). Wie wichtig die Arbeit für Niedersachsen sei, belegten die erheblichen Summen, die für neue Labore und zusätzliche Arbeitsplätze investiert worden seien.

Einer der Schwerpunkte der Arbeit in Braunschweig ist die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten als Ersatz für herkömmliche Antibiotika. Viele dieser Medikamente wirken oft nur noch begrenzt, weil Infektionserreger inzwischen resistent gegen sie sind. Große Möglichkeiten sieht Institutsleiter Overmann hier bei den bisher wissenschaftlich nur wenig beachteten Phagen - Viren, die ausschließlich Bakterien befallen und töten. Das Braunschweiger Institut will deswegen seine Phagen-Sammlung deutlich vergrößern und systematisch nach neuen Phagen von medizinisch bedeutsamen Bakterien suchen, die etwa gezielt gegen den gefährlichen Krankenhauskeim Staphylococcus aureus eingesetzt werden könnten.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen