Dicke Luft in Warnemünde

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30. November 2012, 09:45 Uhr

Rostock | Dicke Luft im Seebad Warnemünde: Seit die Kreuzfahrer Rostock entdeckt haben und jährlich fast 200-mal am Passagierkai festmachen, stinkt es den Warnemündern. Die Abgase der Luxusliner haben die Luftbelastung verstärkt.

Nach Luftmessungen 2006/07 wurde in einem Gutachten festgestellt, dass die Schadstoff-Immissionen überwiegend durch "schiffsbedingte Emissionen" verursacht worden waren - insbesondere durch die Stromproduktion an Bord während der Liegezeiten der Schiffe. "Anders als bei Kraftwerken an Land werden die Schiffsabgase unbehandelt in die Luft geblasen", betont Thomas Draheim, Dezernatsleiter im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in Rostock. Dem Gutachten zufolge hat es aber "lokal keine dramatischen Verhältnisse" gegeben. Im untersuchten Zeitraum von Oktober 2006 bis September 2007 steuerten 9591 Schiffe den Rostocker Hafen an. Die Kreuzfahrer waren an den Fahrten-Emissionen mit vier Prozent und an den Liegeplatz-Emissionen mit neun Prozent beteiligt.

Den Warnemündern reicht es: Einwohner, Umwelt- und Naturschützer machen Front gegen die Umweltverschmutzung der Luxusliner. Jetzt hat das Landesumweltamt ein neues Gutachten zur Luftschadstoffsituation im Hafen angekündigt. "Damit reagieren wir auf die veränderten Rahmenparameter an diesem Standort", sagt Lung-Dezernent Draheim. Seit 2010 ist z. B. für alle Schiffe in der Ostsee vorgeschrieben, in Häfen die Haupt- und Hilfsmaschinen ausschließlich mit Marinegas öl zu betreiben, das einen maximalen Schwefelanteil von 0,1 Prozent besitzt. Beim ersten Lung-Gutachten von Mitte 2009 "lag der Anteil der Schiffe, die bereits schwefelarmen Treibstoff verwendeten, bei rund 30 Prozent", so Draheim. Auf der anderen Seite ist die Anzahl der Kreuzliner, die in Warnemünde festmachen, in den zurückliegenden Jahren deutlich gestiegen.

Das neue Gutachten könnte helfen, die in den Ostsee-Kreuzfahrthäfen heftig geführte Debatte über Landstrom für Cruise Liner zu versachlichen. Mit der simplen Lösungsformel "Stecker rein" lässt sich diese komplexe Frage nicht beantworten. Ulrich Bauermeister, Chef der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock mbH, verweist auf die Stromerzeugung auf modernen Kreuzfahrtschiffen. Sie erfolge "in Blockheizkraftwerken, die über Kraft-Wärme-Kopplung selbst Gaskraftwerken in der Klimagas-Bilanz überlegen sind". Was sollen Landstromanschlüsse ökologisch bringen, fragt er, zumal der Strom an Land weiter zum Großteil in Kohle- und Atomkraftwerken produziert wird.

Strom von Land stünde genügend zur Verfügung, sagt Thomas Schneider von den Stadtwerken Rostock. "Die entscheidende Frage auf dieser Seite besteht in der Infrastruktur. Bei mehreren gleichzeitigen Schiffsanläufen schnellt der kurzfristige Strombedarf extrem in die Höhe. Da wäre ein kleines Umspannwerk nahe der Kaikante notwendig. Das örtliche Stromversorgungsnetz wäre damit überfordert." Bei größeren Kreuzfahrtschiffen sei vom Strombedarf einer kleinen Stadt auszugehen.

Die wirtschaftliche Machbarkeit einer Landstromversorgung für Cruise Liner wird zurzeit in Hamburg und Kiel untersucht. Die Städte werden pro Jahr je von mehr als 100 Kreuzfahrern angelaufen. Der Knackpunkt, so Kiels Hafen-Sprecher Ulf Jahnke, liege an Bord der Kreuzliner. Die meisten von ihnen sind nicht für Landstrom ausgerüstet und es sind keine internationalen Stand ards dafür durchgesetzt.

Der Hafen Kopenhagen, mit 374 Schiffsanläufen2012 einer der führenden Kreuzfahrthäfen, hat in einer Studie festgestellt, dass von den etwa 90 diesjährig in der Ostsee verkehrenden Cruise Linern nur vier das technische Equipment für Landstrom besitzen. Klaus Heitmann, Chef des Zentralverbandes der Deutschen Seehafenbetriebe, sieht "jetzt die Reedereien am Zug". Sie müssten sich entscheiden, ob es eine einheitliche Linie für Landstrom geben soll oder ob sie andere umweltfreundliche Alternativen favorisieren.

Das deutsche Kreuzfahrtunternehmen TUI Cruises hat in Finnland jüngst zwei Schiffsneubauten in Auftrag gegeben. Beim Bau würde "von Beginn an auf eine umweltfreundliche Bauweise" geachtet, teilt Sprecher Godja Sönnichsen mit. Die Reederei würde Landstromanlagen nutzen, wenn diese bereitgestellt werden. Ausgerüstet dafür sind auch die Schiffe der AIDA-Flotte.

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