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Einheitsfeier in Hannover : Deutschland feiert Wiedervereinigung

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erstellt am 03.Okt.2014 | 16:06 Uhr

Während Hunderttausende in Hannover bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit feiern, schlägt Kanzlerin Merkel nachdenkliche Töne an. Die Geschichte zeige aber, es gebe Hoffnung. Hannover - Angela Merkels Botschaft zum 3. Oktober 2014 ist klar: Obwohl die Welt in diesem Jahr angesichts von schweren Krisen wie in der Ukraine oder blutigen Kriegen wie im Irak und in Syrien „aus den Fugen geraten scheint“, gibt es Hoffnung. „Wir alle spüren in diesen Tagen so deutlich wie lange nicht mehr, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Menschenrechte, sie bleiben uns wahrlich nicht von alleine erhalten“, sagt die Kanzlerin zum Ende ihrer 22-minütigen Festrede zur Einheitsfeier in Hannover. Merkels Worte kommen bei den rund 1500 Gästen im voll besetzten Kuppelsaal des Congress Centrums in Hannover gut an. Die unsichere weltpolitische Lage könne auch an einem solchen Freudentag nicht ausgeblendet werden, sagen viele Gäste. Deshalb sei die Stimmung gedrückter als sonst. Unter den Gästen sind neben Bundespräsident Joachim Gauck auch Bundesminister und Ministerpräsidenten, sowie Ex-FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und Ex-Bundespräsident Christian Wulff.

Es gibt in Hannover auch ein ganz besonderes Gänsehautgefühl. Als im weiten Rund plötzlich Scorpions Sänger Klaus Meine die weltberühmte Melodie von „Wind of Change“ pfeift und auf der Leinwand Bilder der DDR-Demonstrationen und Mauerfall zu sehen sind, fließen bei einigen Gästen Tränen. Weltweit ist das Lied längst zu dem Inbegriff der friedlichen Revolution in Deutschland geworden. Und genau wie bei der deutschen Vereinigung bedürfe es auch in diesen Tagen Geduld, Mut und Entschlossenheit „von uns allen“, betont Merkel. Dabei könnten den Deutschen die Erinnerung an die Ereignisse von 1989 und 1990 helfen. Sie stünden für den Sieg der Freiheit gegenüber der Unterdrückung, für Geduld und Augenmaß. „Sie stehen dafür, dass wir das wir das Geschehen zum Guten wenden können. Alles ist möglich“, betonte die CDU-Vorsitzende. Dies habe sie genau wie Millionen Menschen in der ehemaligen DDR „selbst am eigenen Leib“ erleben dürfen. Merkel will mit ihrem Einheitsappell aber nicht nur Mut machen. Für die Deutschen müsse die eigene Geschichte auch Ansporn und Maßstab für die aktuellen politischen Herausforderungen sein. „Egal wo auf der Welt, die Menschenrechte sind unteilbar“, sagt sie. Die internationale Gemeinschaft müsse zusammenstehen. Dies gelte im Kampf gegen Terroristen genauso wie bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie, die nicht nur in Afrika Menschen bedrohe. Der Gastgeber des Tages, Niedersachsens SPD-Regierungschef Stephan Weil, richtet den Fokus in seiner Rede auf die Revolution von 1989: „Wir denken an einen Herbst, den wir alle miteinander wohl niemals vergessen werden“, sagte der amtierende Bundesratspräsident.

Der Mut und die Beharrlichkeit der DDR-Bürger habe die Menschen im Westen Deutschlands zunächst in „Staunen und Verwunderung“ und schließlich „in Hochachtung und Bewunderung“ versetzt. „Ohne den Mut dieser Bürger, ohne den erzeugten Reformdruck, wäre es nicht zum Mauerfall gekommen. Das dürfen wir nie vergessen“, lobt auch Merkel. Zur Ehrung der ehemaligen DDR-Bürgerrechtler im 25. Jahr nach der friedlichen Revolution hat Niedersachsen eine 100-köpfige Delegation aus Leipzig nach Hannover eingeladen. Unter ihnen ist mit Uwe Schwabe auch einer der Männer, die rund um die Leipziger Nikolaikirche die dortigen Montagsdemonstrationen ins Leben gerufen haben. „Für mich ist es wichtig, dass es immer wieder thematisiert wird, dass es die Leute auf der Straße waren, die die friedliche Revolution und damit die Veränderungen in Europa möglich gemacht haben“, sagt Schwabe. Im Jahr 2014 sieht er die Herausforderung in der Suche nach Antworten auf die Demokratieverdrossenheit. „Die Stimmung erinnert mich leider sehr an die letzten Jahre in der DDR, wo man auch nur noch gesagt hat, ich kann eh nichts ändern“, betont er.

Auf dem wenige Kilometer Luftlinie von Festakt entfernten Bürgerfest ist von Verdruss aber nichts zu spüren. An der Ländermeile am Maschsee reihen sich bunte Zelte der 16 Bundesländer aneinander, auch auf vielen Bühnen und an den Bierständen wird bei besten Wetter ausgelassen getanzt und gefeiert. Gauck und Merkel bekommen davon nichts mit. Für sie ist kein Bad in der Menge vorgesehen. Stattdessen geht es nach dem Festakt gleich weiter zu anderen Terminen. Nur kurz kommen sie am Morgen nach einem Gottesdienst mit Bürgern in Kontakt. Und zumindest Gauck lässt sich von der guten Stimmung anstecken. Beschwingt wiegt er sich, als ihm eine Gruppe singender Afrikaner begegnet. „Wenn wir euch nicht hätten, dann wären die Feste nur halb so schön“, bemerkt der Präsident.

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