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Hintergrund : „Deutschland fährt auf Verschleiß“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schlaglöcher in den Straßen, Mängel am Schienennetz: Für den Erhalt des Verkehrsnetzes sind jährlich 20 Milliarden Euro notwendig

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Willkommen in der Schlaglochrepublik Deutschland: Bröckelnde Asphaltdecken werden in vielen Orten nur noch notdürftig ausgebessert. Auf maroden Brücken gilt Schleichtempo für Lkws und Güterzüge, Mängel am Schienennetz. Das europäische Transitland Deutschland fährt seine Verkehrswege seit Jahrzehnten auf Verschleiß. Verkehrsexperten mahnen seit Langem, deutlich mehr Geld in die Lebensadern des Wirtschaftsstandorts D zu lenken. Dabei hat Deutschland mit seinem dichten Fernstraßennetz und den Paradestrecken für schnelle ICE-Züge noch immer eines der am besten ausgebauten Verkehrssysteme Europas. Besonders an sensiblen Stellen wie Brücken und Schleusen rächt sich aber zusehends, wenn Erneuerungen zu lange aufgeschoben werden. Nach dem Aufbau Ost gibt es vor allem an stark strapazierten Knoten im Westen großen Nachholbedarf. Und die Bundesregierung erwartet bis 2030 generell noch mehr Verkehr. „Wir sind dabei, unsere Verkehrsinfrastruktur zu ruinieren“, warnte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo. „Je später wir handeln, desto teurer wird es.“ Denn verhindert werden sollen nicht allein neue Staus und Sperrungen. Die Verkehrswege stehen auch für ein stattliches volkswirtschaftliches Vermögen von 695 Milliarden Euro, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnete. Für den Werterhalt wären nach solider Kaufmannsart jährliche Investitionen von 20 Milliarden Euro nötig, erläuterte das Deutsche Verkehrsforum: „Dies ist nicht der Fall.“

Auf den Wunschlisten stehen enorme Summen: Für Straßen, Schienen und Wasserstraßen im ganzen Land müssten mindestens 7,2 Milliarden Euro pro Jahr extra her, kalkulierte eine Expertenkommissionen. Tatsächlich hat die schwarz-rote Koalition in Berlin die Verkehrswege zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Konkret reservierten Union und SPD aber weniger zusätzliches Geld als von vielen erhofft - insgesamt fünf Milliarden Euro bis zum Ende der Wahlperiode 2017.


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