zur Navigation springen
Neue Artikel

22. November 2017 | 06:36 Uhr

Deutscher Ökostrom als neuer Exportschlager

vom

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 07:14 Uhr

„Wir haben beim Stromaustausch ins Ausland im vergangenen Jahr einen historischen Höchstwert erreicht“, heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Damit war Deutschland 2012 schon im siebten Jahr hintereinander Netto-Exporteur von Strom – obwohl im Zuge der Energiewende acht Atomkraftwerke abgeschaltet worden waren. Hintergründe von Rasmus Buchsteiner.

Wie fällt die Bilanz für 2012 aus?
Deutschland brachte es 2012 auf einen Stromüberschuss von 22,8 Terrawattstunden, die ins Ausland geleitet wurden – eine Vervierfachung im Vergleich zu 2011. Das entspricht der Jahresleistung von zwei großen Atomkraftwerken. Die Hauptabnehmer waren die Niederlande, die allein 22,6 Terrawattstunden aus Deutschland einführten, sowie Österreich und die Schweiz.

Warum wird Deutschlands Strom zum Exportschlager?
Ökostrom in Deutschland boomt. Im Durchschnitt haben die erneuerbaren Energien einen Marktanteil von 23 Prozent. Zu bestimmten Zeiten – bei viel Wind und Sonnenschein - sind sie sogar in der Lage, den gesamten Strombedarf zu decken. Wenn gleichzeitig noch Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke laufen, ist mehr Strom im Netz als gebraucht wird. Und die Preise an der Leipziger Strombörse sinken. Das kann so weit gehen, dass etwa in den Niederlanden Gaskraftwerke heruntergefahren werden, um günstigeren Ökostrom vom deutschen Nachbarn einzuführen.

Ist Deutschland auch auf Stromimporte aus dem Ausland angewiesen?
Ja. „Strom muss jederzeit an jedem Ort verfügbar sein. Denn es kommt immer auf den Ort und den Zeitpunkt der Stromnachfrage an“, heißt es beim Branchenverband BDEW. Im Jahr 2012 bezog Deutschland 13,2 Terrawattstunden Strom aus Frankreich, 8,5 aus Dänemark und 8,4 aus Tschechien. Hintergrund der Importe ist, dass Deutschland ein Problem mit der Strom-Grundlast hat – also Strommengen, die unabhängig von der Tageszeit verlässlich zur Verfügung stehen.

Haben deutsche Verbraucher etwas vom Stromexport ins Ausland?
Nein. Sie werden sogar zusätzlich belastet. Zunächst einmal geben viele Versorger den Effekt niedrigerer Preise an der Strombörse an ihre Kunden nicht oder nicht in vollem Umfang weiter. Andererseits subventioniert der Verbraucher auch den günstigen Strom, der ins Ausland verkauft wird, über die so genannte EEG-Umlage mit, die auf jede Kilowattstunde Strom gezahlt werden muss. Zuletzt verdoppelte sie sich auf 5,27 Cent je Kilowattstunde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen