Detroit Motor Show: Der Sparkurs geht weiter

Soll im verschneiten Detroit für Frühlingsgefühle sorgen: das neue Cabrio der Mercedes E-Klasse. (Bild: Geiger/dpa/tmn)
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Soll im verschneiten Detroit für Frühlingsgefühle sorgen: das neue Cabrio der Mercedes E-Klasse. (Bild: Geiger/dpa/tmn)

Vernunft statt Vergnügen: Bei der Motor Show in Detroit stehen Modelle mit geringem und Studien ohne jeglichen Schadstoffausstoß im Vordergrund.

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15. Januar 2010, 10:50 Uhr

Detroit (dpa/tmn) - Nicht nur die überraschend vielen Import-Neuheiten insbesondere aus Deutschland auf der Motor Show in Detroit präsentieren die Sparwelle unter den Auto-Herstellern - auch die US-Hersteller haben das Geld nicht mehr so locker: Sie schwören zunehmend ihren «Gas Guzzlern» ab und suchen ihr Glück mit kleinen und kompakten Autos.

Das beste Beispiel dafür und zugleich das vielleicht wichtigste Modell der Messe ist der neue Ford Focus, der für US-Verhältnisse fast noch als Kleinwagen durchgeht. Dieses Segment hat nach Einschätzung von Konzernchef Alan Mulally auch in den USA enorme Wachstumsaussichten. Der Focus wurde federführend in Köln entwickelt und kommt zum Jahreswechsel beiderseits des Atlantiks auf den Markt. Neue Benzin- und Dieselmotoren sollen den Verbrauch nach Angaben von Baureihenchef Gunnar Herrmann um 10 bis 20 Prozent senken. Später soll es den Wagen auch mit Hybrid- und Elektroantrieb geben.

Neuheiten vn GM und VW

Auch die Konkurrenz von General Motors backt kleinere Brötchen. Der einst größte Autohersteller der Welt zeigt in Detroit neben dem in Deutschland bereits eingeführten Chevrolet Cruze den noch kleineren Aveo, der künftig sportlicher werden soll. Außerdem steht bei der bislang vor allem für große Geländewagen und Pick-ups bekannten Tochter GMC der vergleichsweise kompakte Van Granite. Er soll auf Lifestyle-Modellen wie den Kia Soul zielen.

Die deutschen Hersteller schwimmen auf der Sparwelle ganz vorne mit: VW zeigt die Studie des New Compact Coupé, die gleich eine doppelte Mission hat: Zum einen soll der gut 4,50 Meter lange Zweitürer die Amerikaner auf die in der zweiten Jahreshälfte erwartete Neuauflage des Jetta einstimmen. Zum anderen wolle VW damit den Hybridantrieb für die Kompaktklasse in Position bringen, sagt Pressesprecher Christian Buhlmann. Unter der Haube stecken ein 1,4 Liter großer TSI-Benziner mit 110 kW/150 PS und ein E-Motor mit 20 kW/27 PS, die gemeinsam 227 km/h ermöglichen, aber den Verbrauch auf 4,2 Liter drücken.

BMW präsentiert 1er mit Elektroantrieb

Während das Hybrid-Coupé bei VW noch als Studie gilt, geht so ein Auto bei Honda jetzt in Serie. Als sportlichen Ableger des Insight zeigen die Japaner den fertigen CR-Z. Das Coupé mit dem ungewöhnlichen Heck, das im Sommer auch nach Europa kommt, hat eine Systemleistung von 91 kW/124 PS und verbraucht im Mittel 5,0 Liter.

Noch sparsamer sind zwei weitere Messestars aus Deutschland: So zeigt BMW in der Cobo-Hall einen elektrisch angetriebenen 1er, von dem nach Angaben von Entwicklungschef Klaus Dräger ab 2011 mehrere Hundert Exemplare gebaut werden. «Damit lernen wir Tag für Tag für unser Großstadtfahrzeug aus dem Project I, das noch in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts auf den Markt kommt», sagte Dräger.

Audi zeigt E-Tron

Bislang nur ein Einzelstück ist dagegen ein weiterer Elektrosportwagen von Audi. Mit ihm will der Hersteller laut Vorstandschef Rupert Stadler den Namen E-Tron zu einem Gattungsbegriff für alle Audi-Elektroautos machen. Diesmal prangt das Kürzel auf einem Coupé, das mit 3,93 Metern kürzer ist als ein TT. Der Wagen hat laut Projektleiter Thomas Kräuter zwei im Heck montierte E-Motor mit zusammen 150 kW/204 PS, die die Hinterachse antreiben. Der kleine E-Tron beschleunigt in 5,9 Sekunden auf Tempo 100, erreicht 200 km/h und hat eine Reichweite von 250 Kilometern. Ihm fehlt aber noch die Serienfreigabe.

Bei aller Vernunft kommt in Detroit das Vergnügen nicht zu kurz. So lockt Mercedes ausgerechnet im kalten und verschneiten Detroit mit dem neuen Cabrio der E-Klasse, das im Frühjahr für 47 719 Euro zu den Händlern kommt. Mit einer ungewöhnlichen Designskulptur gibt die Marke außerdem einen ersten Ausblick auf den neuen CLS. Mini stimmt mit der Studie Beachcomber auf die Premiere des SUV-artigen Countryman ein.

Kaum neue Modelle von Chrysler

Bei Ford steht neben dem Focus auch ein überarbeiteter Mustang mit neuem V8-Motor im Scheinwerferlicht und bei Buick feiert der Opel Insignia OPC als Regal GS-Konzept eine neuerliche Premiere. Nicht weit daneben steht mit dem 415 kW/564 PS starken CTS-V der schnellste Cadillac aller Zeiten, und bei Chrysler weckt eine Armada von Dodge Challenger das Kitzeln im Gasfuß.

Bei Chrysler sieht es jedoch noch überraschend trostlos aus. Zwar haben die Messebauer einen gewaltigen Stand in die Cobo-Hall gezimmert. Doch auf dem Areal parken ausschließlich alte Bekannte. Einzig zwei 500er der neuen Konzernmutter Fiat und die eher peinliche Studie eines Lancia Delta mit Chrysler-Grill sollen dort von Aufbruch künden. Sonderlich überzeugend wirke das aber nicht, sagte ein Wirtschaftsjournalist aus Detroit: «Sie haben vielleicht gerade noch die Kurve bekommen, aber zurück sind sie noch lange nicht.»

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