Auch die Schweriner Wetterwarte registriert die zunehmende Erderwärmung : Der Winter fällt in diesem Jahr aus

Zu den zehn wärmsten Jahren seit 1901 zählen in Schwerin neun seit 1989. Rekorde bei Temperaturen, Niederschlag und Sonnenscheindauer registrierte die Wetterwarte vor allem in den letzten Jahren.

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20. Februar 2008, 03:59 Uhr

SCHWERIN - „Bis zum 28. Februar ist kein Eistag in Sicht. Im Gegenteil, am kommenden Montag erwarten wir mit plus 13 Grad noch einen weiteren Temperaturanstieg.“ Michael Holst, Leiter der Schweriner Wetterwarte, prognostiziert: „Der Winter fällt in diesem Jahr aus.“ Der Ingenieur für Meteorologie ist seit 1981 in der Wetterwarte tätig und registriert auch in Schwerin den Klimawandel.

Die Wetteraufzeichnungen der Station Schwerin erfolgen seit 1890 – mit einer kurzen Unterbrechung währen des 2. Weltkrieges – so dass sich Tendenzen schon gut erkennen lassen. Vor allem in den letzten Jahren wurden immer wieder Rekorde registriert. Meteorologen setzen für ihre Statistiken immer einen Zeitraum von 30 Jahren als Maßstab. Der Beobachtungszeitraum von 1961 bis 1990 ergab in Schwerin eine Jahresmitteltemperatur von 8,4 Grad Celsius. In den letzten 17 Jahren liegt der Wert bereits fast ein Grad höher. „Immerhin mehr als zehn Prozent“, sagt Holst, „Das sind ganz gravierende Veränderungen.“ Rekorde gab es im Jahr 2000 und 2006 mit 10,0 Grad und mit 10,2 Grad im vergangenen Jahr. Das war zwar nicht für ganz Deutschland, aber für die Stadt Schwerin der bisherige Höchstwert. Seit April 2006, so Michael Holst, waren alle Monate, bis auf zwei Ausnahmen, zu warm. Von den zehn wärmsten Jahren seit 1901 liegen neun in der Zeit zwischen 1989 und jetzt.

Nicht nur die Temperatur, auch Sonnenscheindauer und Niederschlagsmengen verändern sich. Im vergangenen Jahr fielen in Schwerin im April nur 0,9 Millimeter Niederschlag. Das entsprach nur zwei Prozent des langjährigen Mittelwertes. Damit war aber nicht der Minusrekord erreicht. An einzelnen Orten in Deutschland gab es im vergangenen Jahrhundert im April überhaupt keinen Regen – 1964 in Schwerin und 1993 in Karlsruhe.

Und in puncto Sonnenschein wurden im April 2007 täglich zehn bis zwölf Stunden gemessen. Auch das war Spitze.Doch zurück zum diesjährigen Winter, der keiner ist: Für Wetterfrösche dauert der Winter von 1. Dezember bis zum 1. März. Klettert die Höchsttemperatur an fünf aufeinander folgenden Tagen nicht über die Null-Grad-Marke – Eistage – ist Winterwetter. „Im Dezember gab es in Schwerin nur am 21. und 22. Dauerfrost und im Januar am 3. und 4.“, sagt Holst. „Im Februar gab es keinen Eistag.“ Auch Schnee gab es kaum. An zwei Novembertagen fielen 0,5 Millimeter Schnee, im Januar gab es einen Tag mit einem Zentimeter Schnee. Ansonsten Fehlanzeige.

Das Netz des Wetterdienstes
Die Schweriner Wetterwarte mit vier Mitarbeitern gehört zum Netz des Deutschen Wetterdienstes (DWD), zu den 179 hauptamtlichen Wetterwarten und Wetterstationen. Außerdem gibt es 83 vollautomatische Wetterstationen. Etwa 2650 Beschäftigte sind an mehr als 130 Orten in Deutschland präsent. Das dichte Beobachtungsnetz ergänzen 1910 ehrenamtlich betreute Wetterstationen, davon melden 771 Stationen online.

Rund um die Uhr werden in Schwerin automatisch erfasst: Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Erdbodentemperaturen, Luftdruck, Sichtweite, Wolkenhöhe, Niederschlagshöhe und -Dauer, Sonnenscheindauer sowie Windrichtung, -geschwindigkeit und -böen. Per Augenbeobachtung werden Wettererscheinungen und Witterungsablauf, die Wolkengattungen und der Bedeckungsgrad, der Erdbodenzustand sowie die Schneehöhe erfasst. Bei Gewitter, Hagel, Sturm oder anderen markanten Wettererscheinungen werden Gefahrenmeldungen weitergeleitet. So wurde gestern früh der plötzlich in Schwerin auftretende Nebel gemeldet. Eine wichtige Warnung für Autofahrer.

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