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12. Dezember 2017 | 21:06 Uhr

Der Toaster gehört nicht in den Müll

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2012 | 10:57 Uhr

Brüssel | Sie haben gesaugt, geputzt und für Licht gesorgt. Aber wenn Zahnbürsten, Staubsauger und Lampen den Geist aufgeben, landen sie noch immer viel zu oft im Hausmüll. Das soll anders werden, hat das Europäische Parlament in Straßburg gestern beschlossen. Künftig müssen bis zu 85 Prozent des Elektroschrotts eingesammelt und recycelt werden.

Für Deutschland, wo die bisherige Quote bei über 90 Prozent liegt, nur scheinbar ein Problem. Doch auch hierzulande gibt es Schwierigkeiten mit den vorhandenen Sammelsystemen. Der CDU-Umweltexperte und Europa-Abgeordnete Peter Liese: "Oft sind kommunale Wertstoffhöfe nicht täglich geöffnet oder nur dann, wenn der Normalbürger arbeiten muss. Diese Situation muss dringend verbessert werden." So solle die Bundesregierung bei der Übernahme der neuen Richtlinie bis 2013 in nationales Gesetz die Rücknahme in den Geschäften ebenfalls einführen. Liese: "Wir haben eine bürgerfreundliche Regelung gefunden."

Die neuen EU-Vorgaben sind zwar freiwillig, sehen aber Vereinfachungen für den Verbraucher vor. So wären künftig Händler, deren Geschäft mehr als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, verpflichtet, alle "Kleingeräte mit Kabel" unter 25 Zentimetern Größe zurückzunehmen - unabhängig davon, ob das Produkt auch bei ihnen erworben oder ein neues gekauft wird.

Derzeit sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, vier Kilo Elektroschrott pro Bürger und Jahr zu sammeln und wiederzuverwerten. Dieses Ziel hat sich als löchrig erwiesen. In Zukunft sorgen neue Quoten für mehr Rücklauf: Ab 2016 soll 45 Prozent der Menge an Elektrogeräten, die in den drei Jahren davor verkauft wurden, auch wiedereingesammelt werden. Ab 2019 sogar 85 Prozent. "Das ist ein anspruchsvolles Sammelziel", meint der CDU-Abfallexperte und Berichterstatter für das Thema in der europäischen Volksvertretung, Karl-Heinz Florenz, zu der Einigung.

Deren Dimension aber gehen noch deutlich weiter. Eines der großen Ziele heißt nämlich: Vermeidung von meist illegalem Elektronikmüll-Export in Länder der Dritten Welt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden in den zurückliegenden Jahren allein aus Deutschland ungefähr 155 000 Tonnen alter Handys, Lampen, Computer und sonstiger Produkte nach Afrika und Asien verschifft. Dort landen die Geräte in Verbrennungsöfen und setzen dabei ihre giftigen Bestandteile wie Quecksilber frei. Vor zwei Jahren erkrankten in Nigeria Hunderte von Einwohnern, die in unmittelbarer Nachbarschaft eines solchen Ofens für europäischen Müll lebten.

Das Exportverbot hat aber noch einen anderen Grund: Die Industrie will die höheren Quoten nutzen, um die in den Altgeräten enthaltenen Wertstoffe herauszuholen und neu zu nutzen. Denn die werden immer seltener und teurer. Dass sich dieser höhere Aufwand lohnt, hat das Umweltbundesamt in Berlin ausgerechnet: Deutschland exportiert demnach jedes Jahr 1,6 Tonnen Silber, 30 Kilo Gold und 120 Kilo Palladium, weil der Elektronik-Müll nicht systematisch recycelt wird. Die verlorenen Rohstoffe haben einen Gesamtwert von rund 15 Millionen Euro.

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