Wohnungseinbrüche : Der Polizei fehlt das notwendige Personal

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GdP-Vorsitzender Oliver Malchow fordert für das Thema Innere Sicherheit in Deutschland wieder einen anderen Stellenwert

svz.de von
31. März 2016, 08:00 Uhr

Die Zahl der Wohnungseinbrüche erreicht den höchsten Wert seit 20 Jahren. Andreas Herholz sprach darüber mit Oliver Malchow, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Hat die Polizei bereits kapituliert?

Malchow: Auch vor 2015 hatten wir Jahre mit rund 150 000 Wohnungseinbrüchen. Der erneute Anstieg ist alarmierend und aus sicherheitspolitischen Gesichtspunkten nicht akzeptabel. Hier handelt es sich nicht um Kavaliersdelikte.

Die Aufklärungsquote ist gering. Wo liegen die Ursachen dafür?

Die Aufklärungsquote ist in der Tat nicht besonders gut. Daher wissen wir relativ wenig über die meisten Täter. Die Polizei hat nicht kapituliert, aber ihr fehlt das notwendige Personal und damit die erforderliche Zeit, um diese Delikte intensiv zu bearbeiten. Darunter leiden Spurensuche und Ermittlungen. Immer mehr Menschen beschleicht das Gefühl, dass der Staat ihnen nicht helfen kann, wenn es kaum Festnahmen und Gerichtsprozesse gibt. Da schwindet das Vertrauen in den Rechtsstaat.

Was weiß man über die Täter und ihr Vorgehen?

Die Täter sind oft in Banden organisiert und gehen immer professioneller vor. Dabei handelt es sich nicht mehr nur um Täter aus dem Wohnumfeld, wie den Junkie, der Geld braucht. Wir haben es mit international organisierter Kriminalität zu tun. In einem Europa offener Grenzen ist man schnell von Danzig aus in Hamburg oder von Brüssel aus in Düsseldorf, um Wohnungseinbrüche in Serie zu begehen. Da gibt es eine ausgeklügelte Arbeitsteilung. Die Wohnungen werden deutlich vorher mit modernster Technik observiert. Andere verüben den Einbruch, wieder andere übernehmen Transport und Verkauf des Diebesgutes. Da wird es schwierig für die Polizei, die Täter zu fassen. Wir wollen ja offene Grenzen. Diese sorgen aber auch für ein größeres Aktionsgebiet der Täter. Sie reisen ein, begehen Einbrüche und sind gleich wieder weg. Das ist der Preis für die Freizügigkeit. Hier müssen wir in Europa noch besser zusammenarbeiten.

Wo bleibt die entschlossene Reaktion der Politik?

Das Thema Innere Sicherheit muss in Deutschland wieder einen anderen Stellenwert bekommen. Das ist die Kernaufgabe der Bundesländer. Die haben das nicht ernst genommen und hier in der Vergangenheit kräftig bei Polizei und Justiz gespart. Die steigende Kriminalität ist Rückenwind für politische Rattenfänger. Selbst, wenn jetzt mehr Personal eingestellt wird, wird es Jahre dauern, bis sich die Lage wieder ändert.

Die Bundesregierung fördert jetzt finanziell die Sicherung von Wohnraum gegen Einbrüche. Eine sinnvolle Maßnahme?

Natürlich hilft es, Fenster und Türen besser zu sichern. Aber man kann die Verantwortung nicht auf Eigentümer und Mieter abwälzen. Der Staat muss die Bürgerinnen und Bürger vor Straftaten schützen. Auch die besten Schlösser können Einbruchskriminalität nicht völlig verhindern.

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