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22. November 2017 | 02:43 Uhr

Der Paukenschlag bleibt aus

vom

svz.de von
erstellt am 11.Nov.2011 | 09:03 Uhr

Baek | Ein konkretes Konzept, wie die Gemeinde Groß Pankow die Probleme von Bevölkerungsrückgang und Auswirkungen auf die Dorfentwicklung lösen kann, brachte das Projekt "Strategien zum Dorfumbau - Auswirkungen des demografischen Wandels auf ländliche Gemeinden" nicht. Wohl aber jede Menge Fakten, Zahlen, Ideen, Anregungen und nicht zuletzt den Erfahrungsaustausch mit den beiden am Modellprojekt beteiligten Gemeinden Milmersdorf (Uckermark) und Neupetershain (Oberspreewald-Lausitz).

Am Donnerstag traf sich der Groß Pankower Arbeitskreis in Baek das letzte Mal mit Cordula Reichelt und Georg Balzer vom Planungsbüro Stadtlandprojekte, das seit Dezember 2009 das Forschungsprojekt begleitet. Dafür gab es zwar eine Bundesförderung, jedoch keine Zuschüsse vom Land für mögliche Anschlussvorhaben.

Einbezogen in die Untersuchung waren in der Gemeinde Groß Pankow 13 der insgesamt 39 Orte. Zusätzlichen Input brachten zur Abschlusssitzung Schülerarbeiten der Freien Schule Baek. Die Mädchen und Jungen befassten sich ebenfalls mit dem Thema lebenswertes Leben in ihren Dörfern - aus der Sicht als Kinder und 30 Jahre später, wenn sie hier als Erwachsene wohnen. "Großer Wert wird auf einen Dorfmittelpunkt gelegt - mit einem Gewässer oder Brunnen. Ebenso sollte es viele Spiel- und Sportmöglichkeiten geben und einen Ort, wo man sich treffen kann, außerdem Veranstaltungen, wie Musik, Kabarett oder Chorauftritte", wertete Schulleiterin Simone Gruschke die Arbeiten aus.

Ins Feld führten die Schüler ebenso ökologische Stromerzeugung und Infrastruktur, wie Einkaufsladen, Frisör oder Bäcker, damit ältere Menschen nicht weit fahren müssen. Unter der Rubrik "Was gefällt mir nicht?" hieß es "Keine Kinder", "Keine Kinder in meinem Alter", "Zu wenig los", "Autos rasen doll" oder "Viele Häuser sind hässlich".

Die Arbeiten sollen als Kopien in den Projektabschluss einfließen und anderen Dörfern als Anregung nutzen. "Wir werden mit den Schülern sprechen, was von ihren Ideen umsetzbar ist und was nicht", meinte Halldor Lugowski, Bauamtsleiter der Gemeinde Groß Pankow. Georg Balzer regte an, dass die Schüler am Projekt dran bleiben und nach zwei Jahren recherchieren sollten, was umgesetzt wurde.

Fazit des Groß Pankower Strategiepapiers zum Dorfumbau ist: Trotz aller Bemühungen um Ansiedlungen und mehr Lebensqualität wird sich der Einwohnerrückgang mit zunehmender Alterung der Einwohner fortsetzen. Lebten vor gut 20 Jahren mehr als 5000 Menschen in den Ortsteilen von Groß Pankow, so waren es im November 2009 noch 4300 und sind es mit Stichtag 10. November dieses Jahres 4097 Bürger. Ein weiteres Problem, vor dem die Ortsteile mehr oder weniger stehen: verwahrloste Immobilien, deren Zahl sich vermutlich noch erhöht. Ebenso der Umgang mit leeren Mietwohnungen.

Georg Balzer nannte bei den Plattenbauten einen Leerstand von 54 Prozent im Jahr 2030. Aufgemacht wird daher die Forderung an die Politik, im Rahmen der Dorferneuerung auch den Abriss von Wohnblöcken mit hohem Leerstand zu fördern. Ungeachtet dieser Probleme, zurückgehender Einnahmen und steigender Kosten sei die Infrastruktur zu erhalten bzw. auszubauen, "denn das Leben in den Groß Pankower Dörfern soll weiterhin gut möglich sein", formulierten Balzer und Reichelt in ihrer Zusammenfassung.

Als künftige Handlungsschwerpunkte kristallisierten sich heraus: kommunalen Mietwohnungsbestand ordnen, Leerstand abbauen, Grundversorgung/Mobilität der Bevölkerung erhalten, landschaftliche und touristische Potenziale nutzen und offen sein für "Ungewöhnliches". "Meine Erwartungshaltung an die Projektarbeit war relativ hoch. Es ist auch viel bei rausgekommen, aber das Problem, das ich jetzt sehe: Wie klappt es mit der weiteren Zusammenarbeit? Und: Vieles wird nicht gehen, weil das Geld knapper wird", meinte Reinhard Kalcher (Wolfshagen). Er war einer von rund zehn Bürgern, die an dem Abschlussgespräch teilnahmen. Zum Auftakt des Projektes waren rund 40 Einwohner aus den beteiligten Dörfern dabei.

"Mir hat das Projekt nichts gebracht, die Probleme waren mir vorher bekannt", stellte Maria Winter aus Tacken fest. Sie hätte sich mehr Greifbares gewünscht, wie eine Einwohnerversammlung, um mit den Eigentümern leer stehender Grundstücke ins Gespräch zu kommen. "Trotz der aufgezeigten demografischen Entwicklung glaube ich, dass die Dörfer weiter eine Perspektive haben", so die Tackener Ortsvorsteherin.

Fasziniert ist Hans Groenewegen von der mobilen Zahnarztpraxis von Dr. Kerstin Finger aus Milmersdorf. "Wir sollten mit anderen Gemeinden erheblichen politischen Druck ausüben, um auch bei uns so ein Modell durchzusetzen", betonte der Horster. Kerstin Meyer griff den Gedanken auf und will ihn an die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg herantragen. Über das Leader-Programm gebe es Möglichkeiten der Förderung, erklärte die Mitarbeiterin des Sachbereichs Landwirtschaft der Kreisverwaltung. Doch müsse man dafür einen Mediziner gewinnen.

"Die erarbeiteten Projektunterlagen verschwinden nicht irgendwo in der Schublade, wir werden die Hinweise bei Verwaltungsvorschlägen einbeziehen", unterstrich Bauamtsleiter Lugowski. Was die Verwaltung nicht könne, sei, "die Arbeit der Dorferneuerungskreise in den 39 Ortsteilen übernehmen, diese müssen selbst weiter aktiv bleiben". Das

bekräftigte auch Kerstin Meyer: "Die Menschen in den Orten müssen aus eigener Kraft und mit weniger finanziellen Mitteln wieder mehr als bisher gestalten."

Den offiziellen Abschluss findet die Projektarbeit zu Strategien des Dorfum baus am 16. November in der Uckermark. Am Workshop mit den Milmersdorfern und Neupetershainern werden auch Vertreter des Groß Pankower Arbeitskreises teilnehmen und ihre Erfahrungen einbringen. Darüber hinaus wollen die drei Gemeinden weiter im Kontakt bleiben.

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