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24. November 2017 | 08:47 Uhr

Der NSU-Terror und der Nordosten

vom

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2013 | 08:19 Uhr

Schwerin | Immer wieder führt die Spur auch in den Nordosten - doch bislang hält das Innenministerium und der ihm unterstellte Verfassungsschutz in Schwerin jegliche Information der Öffentlichkeit über mögliche Verbindungen der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zur rechtsextremen Szene in MV zurück. Dabei werden der Zelle ein Mord in Rostock und zwei Banküberfälle in Stralsund zur Last gelegt.

Recherchen der Medien hingegen haben schon manche Spur aufgedeckt. So soll der Rechtsextremist aus Sachsen-Anhalt und V-Mann "Corelli" aus dem engeren Umfeld des NSU die Neustrelitzer Neonazi-Postille "Weißer Wolf" unterstützt haben, indem er ihr seine Internet-Seite zur Verfügung gestellt haben soll. In dem Hetzblatt war 2002 erstmals der NSU genannt - und ihm gedankt worden. Zeitweise fungierte der heutige NPD-Landtagsabgeordnete in MV David Petereit als Herausgeber. Die Terrorzelle soll im Jahr 2002 zudem 2500 Euro per Brief an den "Weissen Wolf" gespendet haben.

Laut Verfassungsschutzbericht 2011 liegt die Zahl der Rechtsextremisten in MV bei 1400. Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten war 2011 auf 37 gestiegen. 2010 waren es 29. Detailliert führt der Verfassungsschutzbericht die Aktivitäten der rechten Szene auf: Konzerte, Demonstrationen, Aufmärsche, Schulungen, Versandhandel, Kommunikation übers Internet.

Auch über rechte Konzerte könnte es Verbindungen gegeben haben: So sollen die NSU-Mitglieder seit den 90er-Jahren über das rechtsextreme Netzwerk Blood and Honour (Blut und Ehre) Bekanntschaften zu Neonazis in MV geknüpft haben, so die Obfrau der Linken im NSU-Bundestagsuntersuchungsausschuss, Petra Pau. Kontakte soll es in dem Zusammenhang unter anderem über rechte Konzerte beispielsweise in Klein Bünzow nahe Anklam gegeben haben.

Und eine Spur führt bis ins Jahr 1999 zurück: Nach Recherchen unserer Redaktion hat der Verfassungsschutz in Goldenbow bei Schwerin den damaligen NPD-Bundes-Vize Hans Günter Eisenecker observiert, der dort seine Anwaltskanzlei hatte. Dem Verfassungsschutz könnten seinerzeit Erkenntnisse über Kontakte Eiseneckers zur schon abgetauchten und zur Fahndung ausgeschriebenen Zwickauer Zelle vorgelegen haben. Durch eine Observation sollte möglicherweise der Aufenthaltsort des Trios ermittelt werden. Eisenecker, der sich einen Namen als Anwalt der rechten Szene gemacht hatte, sollte die Vertretung von Beate Zschäpe übernehmen, die ihn deswegen wohl auch aus dem Untergrund kontaktieren ließ.

Über die Ergebnisse der Observation schweigen die Behörden. Dafür widersprach das Innenministerium vehement Darstellungen, wonach der Verfassungsschutz im Fall des Rostocker Mordes durch das Trio die Polizei auf die falsche Spur der Organisierten Kriminalität geführt habe.

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