zur Navigation springen
Neue Artikel

15. Dezember 2017 | 11:16 Uhr

„Der Nordosten hat wichtigere Probleme"

vom

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2012 | 06:38 Uhr

Schwerin | Sie stehen bei Wind und Wetter vor der Tür und frönen ihrem Laster. Sie geben sich gegenseitig Feuer, bitten ihre "Leidensgenossen" gelegentlich um eine Zigarette und plaudern während sie rauchen mit der netten Kollegin aus der Marketing-Abteilung. Der Kombination aus Rauchen und Flirten haben die Engländer den Namen "smirting" (aus "smoking" und "flirting") verpasst. Auch in Mecklenburg-Vorpommern werden sie allerdings von den nicht rauchenden Kollegen mancherorts argwöhnisch beäugt. Einem Verbot der Raucherpausen redet jedoch niemand das Wort.

"Wir können ja keine Maschine anhalten"

Bei der Firma Optimal Media in Röbel werden von rund 600 Mitarbeitern Druckwerke und Datenträger hergestellt. Raucherpausen seien "immer wieder einmal Thema", räumt Martina Kruse von der Personalabteilung ein, "aber wir haben keine Probleme damit". Natürlich dürfe durch das Rauchen keine Arbeitszeit verloren gehen. Die Mitarbeiter seien angehalten, die beiden Raucherinseln in den regulären Pausen zu nutzen. Wer in der Produktion arbeitet, ist sowieso an relativ feste Zeiten gebunden. "Wir können ja keine Maschine anhalten, weil einer rauchen will." Die Mitarbeiter in der Verwaltung sind etwas freier, wann sie ihre Pausenzeiten fürs Rauchen nutzen - ohne aus- und einzustempeln. "Wir vertrauen ihnen, dass sie ihre Pausen dadurch nicht überziehen", so die Personalchefin. Gegebenenfalls gibt es einen freundlichen, aber bestimmten Hinweis, genauer darauf zu achten.

Auch im Schweriner Landtag dürfen sich die rauchenden Mitarbeiter auf eine windige Raucherecke zurückziehen, ohne schief angeschaut zu werden. "Die Nichtraucher gehen ja auch gern einmal auf einen Kaffee ins Büro nebenan", sagt einer, der namentlich aber nicht genannt sein will. Besondere interne Vorschriften, die die Raucherpausen regeln, erwartet er vorerst nicht. Schließlich seien zu viele der Chefs selbst Raucher - wie etwa Landtagsdirektor Armin Tebben und SPD-Fraktionschef Norbert Nieszery.

"Wir brauchen keine neuen Gesetze"

"Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern keinen Bedarf, das Thema gesetzlich zu regeln", sagt Lothar Wilcken vom Verband der Unternehmerverbände. Die meisten Betriebe hätten das Thema längst intern geregelt - jeder auf seine Art und seinen Betriebsabläufen angepasst. "Wer sonst immer Deregulierung fordert und den Ruf nach weniger Staat vertritt, sollte jetzt keine staatliche Intervention in Detailfragen fordern", so Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. "Wir brauchen dazu keine neuen Gesetze und damit verbundene kostenträchtige Kontrollinstrumente."

Auch Ingo Schlüter, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), sieht wichtigere Probleme als die Raucherpausen. "Gute Löhne und Ausbildungsvergütungen, Gleichstellung von Frauen und Männern, Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Wer die Raucherpausen wirklich neu regeln will, soll das Thema bei Tarifverhandlungen auf den Tisch packen. Das ist aber noch nirgends geschehen."


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen