Der Mann, der Städte sammelt

Immer unterwegs: Wolfram Opp hat nahezu  alle deutschen Großstädte zweimal besucht.
Immer unterwegs: Wolfram Opp hat nahezu alle deutschen Großstädte zweimal besucht.

Exotisches Hobby: Wolfram Opp war in jeder der 76 deutschen Großstädte

svz.de von
17. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Andere sammeln Bierdeckel oder Briefmarken. Wolfram Opp (68) sammelt Städte. Deutsche Großstädte, um genau zu sein. Weil man die in kein Album kleben kann, muss man hinreisen. Das hat er getan. Sämtliche 76 deutschen Städte mit mindestens 100 000 Einwohnern – erst dann sind es Großstädte – haben in den vergangenen 25 Jahren Besuch erhalten von Herrn Opp. Und „weil einmal keinmal ist“, hat sich der Lübecker vorgenommen, sämtlichen Großstädten mindestens zwei Besuche abzustatten. Bald ist es soweit: „Es fehlt nur noch der zweite Besuch in Ingolstadt, Erlangen und Offenbach.“ Im kommenden Jahr soll das geschafft sein.

Wie er zu seinem ungewöhnlichen Hobby kam? „Das Reisen hat mich schon immer interessiert“, sagt Opp, der inzwischen im Ruhestand ist. Und damals in der DDR, als er im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) lebte, erst als Mathe- und Sportlehrer, dann als Justiziar arbeitete, hörte er in den westlichen Medien immer die Städtenamen aus der nahen und doch so fernen Bundesrepublik.

„Da habe ich eine gewisse Sehnsucht entwickelt“, erzählt er. 1988 wird – kurz vor der Wende – sein Ausreiseantrag bewilligt. Opp legt los und steuert die unbekannten Städte mit den vertrauten Namen an. Auf einer langen Liste deutscher Städte trägt er jedes Mal das Besuchsdatum ein.

Nun ist er binnen zweieinhalb Jahrzehnten zum Kenner deutscher Urbanität geworden, bleibt bei der Frage nach der hässlichsten Stadt aber diplomatisch: „Ich will in jeder Stadt gewesen sein. Ob die schön ist oder nicht, interessiert mich nicht.“ Außerdem sei der Eindruck sehr subjektiv: „Das hängt vom Wetter ab und vom eigenen Befinden.“ Fast jede Stadt habe auf den zweiten Blick ihre schönen Ecken – manchmal müsse man eben etwas laufen, bevor man sie findet.

Grundsätzlich seien die großen Metropolen im Vorteil - schon allein von der Anzahl der Sehenswürdigkeiten. Nach einigem Zögern sagt er: „Dresden ist wunderschön.“ Recklinghausen? Na ja, da ging es ihm nicht so gut. Die letzte deutsche Großstadt, die Opp erkundete, war übrigens Bergisch Gladbach. Auf den ersten Eindruck am Bahnhof dürfe man ohnehin nicht allzu viel geben, sagt Opp. Das sei selten die schicke Visitenkarte einer Stadt. Nach ein paar Minuten Fußmarsch ändere sich das Bild meistens.

Herausgeputzt hätten sich in den vergangenen 25 Jahren vor allem die ostdeutschen Städte. Einen Geheimtipp, eine Stadt, die gemeinhin als nicht sonderlich schön gilt, ihn aber positiv überrascht hat, hat er auch parat: „Braunschweig.“ Die Pfalz, der Dom und das Denkmal von Heinrich dem Löwen seien die Reisen wert gewesen. Braunschweigs Stadtsprecher Adrian Foitzik freut sich über das Urteil, meint aber auch selbstbewusst: „So geheim ist das ja nicht.“

Manchmal besucht der Lübecker Opp auch kleinere Städte. Lüdenscheid habe er allein wegen des Loriot-Sketches mit „Herrn Müller-Lüdenscheidt“ besucht. Zwickau hätte er sich eigentlich schenken können: Die Stadt ist inzwischen unter die 100 000-Einwohner-Marke gerutscht und somit keine Großstadt mehr.

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