Hintergrund : Der lange Weg zum Traum-Studienplatz

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Mehr als 4000 Bewerber auf 215 Plätze und Quoten über Quoten: Das Bewerbungs- und Zulassungsprozedere für künftige Mediziner ist sehr kompliziert

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16. September 2015, 12:00 Uhr

Das Medizinstudium gehört zu den begehrtesten überhaupt. Auf 215 Humanmedizin-Studienplätze im kommenden Herbst-Winter-Semester in Rostock sind beispielsweise mehr als 4000 Bewerbungen eingegangen, in denen die Hansestadt als erste Präferenz – von bis zu sechs möglichen – für den Studienort genannt wurde.

Rund 200 dieser Bewerber mussten in persönlichen Gesprächen vor einer Auswahlkommission ihre Motivation, den Arztberuf zu ergreifen, erläutern. Nur für jeden Zehnten von ihnen steht am Ende die Studienzulassung – denn nicht nur die Auswahlkriterien sind sehr streng, auch das bereits vorausgegangene Bewerbungs- und Zulassungsprozedere ist sehr kompliziert. Um einen Medizinstudienplatz, so erläutert der Studiendekan der Rostocker Universitätsmedizin Prof. Dr. Attila Altiner, bewirbt man sich nicht direkt an einer Universität, sondern über hochschulstart.de, die zentrale Einrichtung für die Vergabe zulassungsbeschränkter Studiengänge. „Dort gibt es bestimmte Quoten, nach denen die Studienplätze an den einzelnen medizinischen Fakultäten Deutschlands vergeben werden.“

„Die erste Quote ist die der Abiturbestnoten. 20 Prozent der Studienplätze werden so vergeben – an Studenten mit einem Abiturdurchschnitt zwischen 1,0 und maximal 1,2“, erklärt der Wissenschaftliche Vorstand und Dekan Prof. Dr. Emil C. Reisinger. Weitere 20 Prozent der Studienplätze würden aufgrund der Wartezeit der Bewerber vergeben – „aber die ist mittlerweile sehr, sehr lang und liegt inzwischen bei über sechs Jahren“, weiß Reisinger. Von den restlichen 60 Prozent würden zwei Drittel entsprechend besonders gewichteter Abiturnoten zugewiesen – hier spielen Naturwissenschaften, aber auch Deutsch eine besondere Rolle. Der Rest der Studienplätze, also 20 Prozent, werde im Ergebnis der Auswahlgespräche vergeben. Auch hier muss die Abiturnote zu 51 Prozent berücksichtigt werden, „jemand mit einem Abiturdurchschnitt von 3,0 hat also kaum eine Chance“, betont Altiner. Einen guten Zweierdurchschnitt könne man aber durch eine überzeugende Vorstellung noch deutlich verbessern – Motivation, der Wille zu lernen und Empathie seien die Kriterien, auf die die Auswahlkommission besonderen Wert legte, so Reisinger. „Ich wollte schon immer Arzt werden“ zähle dagegen ebenso wenig wie „Meine Eltern wollen, dass ich später ihre Praxis übernehme“, betont Altiner. „Nachvollziehbar wäre es dagegen, wenn jemand durch eigene Erfahrungen eine Vorstellung davon bekommen hat, welche Belastungen dieser Beruf mit sich bringt – und welche schönen Seiten.“ Ganz besonders punktet, wer echtes naturwissenschaftliches Interesse glaubhaft machen kann.

Ganz wichtig sei, dass der Bewerber zur Universität und ihrem Motto „Traditio et Innovatio“ – Tradition und Innovation – passe, und dass er sich damit beschäftigt habe. „Wer sich bei uns bewirbt, muss wissen, dass wir einen eher traditionellen Studiengang mit einer formalen Trennung von Vorklinik und Klinik anbieten“, so Altiner.

Landeskinder bei den Auswahlgesprächen zu bevorzugen, sei rechtlich nicht zulässig – auch wenn es natürlich in ihrem Interesse liege, viele Absolventen für eine medizinische Laufbahn hier in MV zu begeistern. „Da ist unsere Erfolgsquote gar nicht schlecht“, meint Altiner. „Wir sehen, dass unsere Landeskinder gern hier bleiben, aber auch eine Menge anderer Studenten stellen fest, dass es sich hier gut leben lässt als Arzt.“ In seinem Fachgebiet, Allgemeinmedizin, gebe es sogar mehr Interessenten, als tatsächlich attraktive Weiterbildungsstellen existierten.


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