Der Kussmund lächelt wieder

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Die Kussmund-Flotte bekommt Zuwachs. Das auf der Papenburger Meyer-Werft gebaute Kreuzfahrtschiff „AIDAbella“ wird nach der Überführung auf der Ems heute in Emden erwartet. Es ist das fünfte Schiff in der Flotte der in Rostock ansässigen Reederei AIDA Cruises. Rund 315 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Kreuzliner, der am 23. April in Rostock-Warnemünde von Model Eva Padberg getauft wird und einen Tag später zur Jungfernfahrt auf der Ostsee aufbricht. Bis 2012 sollen vier weitere AIDA-Neubauten folgen.

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27. März 2008, 07:27 Uhr

So eng wird es für die „AIDAbella“ wohl nie wieder. Nur wenige Meter lagen zwischen Schiff und Ufer, als das jüngste Mitglied der Kussmund-Flotte gestern Abend der Nordsee zustrebte. Die Überführung der in der Papenburger Meyer-Werft gebauten Kreuzfahrt-Riesen auf der Ems ist immer eine Herausforderung für den Werftkapitän und die Lotsen, aber auch ein Spektakel für die Zuschauer an Land. Damit auf dem Weg nach Emden alles passt, trainiert das Überführungsteam das gesamte Manöver an einem computergesteuerten Simulator. Heck voran werden die Schiffe dann von Schleppern in Schrittgeschwindigkeit über das Wasser gezogen.

Der richtige Kapitän der „AIDAbella“, Josef Husmann, war bei der Überführung noch zum Zuschauen verurteilt. Erst am 14. April – nach der Übergabe des Schiffes an die Reederei AIDA Cruises aus Rostock – übernimmt er das Kommando auf der Brücke. Allerdings ist er schon seit Mitte Februar täglich auf „seinem“ Schiff – pendelte abends aber noch nach Hause. In diesen Tagen ist er – wie der Rest der 600-köpfigen Crew – endgültig eingezogen. „Wir sind gerade dabei, uns einzurichten und wohl zu fühlen“, sagte er gestern Nachmittag am Telefon.

Mitarbeiter aus 20 Nationen
Vor fast genau einem Jahr war die „AIDAbella“ als zweites von insgesamt sechs Neubau-Vorhaben der Reederei auf Kiel gelegt worden. Jetzt ist sie fertig – fast zumindest. „Seit 19. März sind die Arbeiten im Prinzip abgeschlossen. Jetzt laufen die Bauleiter der Werft und von AIDA von Raum zu Raum, um die Bauabnahme zu machen“, erklärte Günther Kolbe, Pressesprecher der Meyer-Werft. „Hier und da muss noch ein bisschen Farbe oder ein Kratzer nachgebessert werden, mehr aber nicht.“ Seine Feuerprobe auf offener See muss der Kreuzliner allerdings erst noch bestehen. Von Emden aus legt die „AIDAbella“ zu einer mehrtägigen Probefahrt ab. „Dabei werden wir alle möglichen Manöver, die Maschinen, die elektrischen und anderen technischen Anlagen intensiv testen“, erklärt Josef Husmann.
Obwohl die Meyer-Werft jährlich zwei – künftig sogar drei – Kreuzfahrtschiffe abliefert, sei jede Übergabe etwas Besonderes. „Man ist froh, wenn der Auftrag erledigt ist und am Ende alle zufrieden sind“, sagt Günther Kolbe. „Und gerade bei den Schiffstypen von AIDA gibt es immer wieder neue Herausforderungen wie beispielsweise das verglaste Theatrium, das von Back- bis Steuerbord und über vier Stockwerke reicht.“
Während die Handwerker die letzten Handgriffe erledigen, hat auch für die Crew die harte Arbeit begonnen. Mal müssen die Mitarbeiter aus ingesamt rund 20 Nationen kräftig zupacken und – egal ob Koch oder Barkeeper – Stühle, Bettdecken und Geschirr einräumen und mal aufmerksam zuhören. „Die Mitarbeiter werden in ihre Arbeitsbereiche eingewiesen und über unsere Qualitätsmaßstäbe informiert. Außerdem erhalten sie Sicherheitseinweisungen“, erklärt Kathrin Heitmann von der Unternehmenskommunikation. Einige hatten sich schon seit Tagen in Hamburg auf ihren Einsatz auf dem Schiff vorbereitet – die Tänzer und anderen Künstler. In einer Turnhalle haben sie für die Bord-Shows, die eine Mischung aus Tanz, Schauspielkunst und Gesang sind, trainiert. „Extra für AIDA sind Musicals geschrieben worden, die auf den Schiffen aufgeführt werden“, so Heitmann.

Auch wenn die „Bella“ zur gleichen Baureihe wie die vor einem Jahr in Dienst gestellte „Diva“ gehört, kann auch sie wieder mit einem ganz eigenen Flair aufwarten. Äußerlich fast gleich, unterscheiden sich beide Schiffe im Inneren doch deutlich. Während auf der „Diva“ sehr kräftige Farben dominieren, zeigt sich die „Bella“ in warmen Tönen wie Ocker oder Sand und mit Kombinationen aus Holz und Stahl. „Das Raumdesign folgt dem Trend einer neuen Gemütlichkeit, nach dem alte Tradition, zum Beispiel im Stil der Romantik, modern interpretiert wird“, erklärt Kathrin Heitmann. Das Theatrium, das die Bereiche Theater, Bars und Musik im Stil einer italienischen Piazza kombiniert, ist mit erdigen Farben und Blattgold verziert.

Neu und bislang einmalig auf einem Kreuzfahrtschiff ist das 4-D-Kino – Kino für alle Sinne. Bewegbare Sessel, Düsen für Gerüche, Nebel, Wasser, Luftbewegung, Wärme und Kälte versetzen den Zuschauer mitten in den Film, der auf der Leinwand läuft. Eines fehlt an keinem AIDA-Schiff: Der berühmte Kussmund am Bug. Er misst bei der „Bella“ von Mundwinkel zu Mundwinkel 16 Meter. Und der Lidstrich des Auges ist mit etwa 140 Metern der längste auf allen AIDA-Schiffen.

Jungfernfahrt seit Monaten ausgebucht

Bevor das 252 Meter lange Schiff am 24. April von Warnemünde aus zur Jungfernfahrt in der Ostsee aufbricht, können bei drei Willkommenstouren schon einmal Mitarbeiter von Reisebüros Kreuzfahrt-Luft schnuppern. „Sie sollen selbst erleben können, was neu, was anders ist als auf unseren anderen Schiffen“, erklärt Kathrin Heitmann. Insgesamt 3500 Expedienten aus ganz Deutschland, teilweise aus Österreich, werden dazu erwartet. Kiel und Hamburg sind zwischen dem 15. und 21. April Ziele dieser Mini-Kreuzfahrten. Am 21. April erreicht das Schiff erstmals Rostock-Warnemünde, wo es zwei Tage später getauft werden soll. Taufpatin ist das international bekannte Model Eva Padberg.
Bergen, Oslo, Göteborg und Kopenhagen sind Stationen der Jungfernfahrt, für die die insgesamt 1025 Kabinen seit Monaten ausgebucht sind. Ab Mai startet die „Bella“ in Warnemünde zu zehntägigen Touren, bei den dann auch St. Petersburg, Danzig und Helsinki angesteuert werden. Für Kapitän Husmann kein unbekanntes Gewässer. Exakt die gleiche Route ist er schon mit der „AIDAcara“ gefahren. „Die schönen Städte, die weißen Nächte im Sommer und das Baltikum mit seinen Reizen und der Entwicklung, die es in den vergangenen Jahren genommen hat – das hat etwas“, sagt der 49-Jährige. Und alle zehn Tage in Deutschland, in der Heimat, zu sein, sei ein zusätzlicher Pluspunkt.
Jedes Jahr ein
neues SchiffRund 315 Millionen Euro hat die Reederei in das neue Clubschiff investiert. Vier weitere Neubauten sollen im Jahrestakt bis 2012 in Dienst gestellt werden. Das erste davon, die „AIDAluna“ wird an diesem Sonnabend in Papenburg auf Kiel gelegt. Nach Abschluss des Neubauprogramms verfügt die Reederei dann über neun Schiffe mit insgesamt 16 000 Betten.

Deckgrundriss der AIDAbella

Auf 13 Decks bietet die AIDAbella u.a. 1025 Kabinen, Theatrium, 4-D-Kino, Kinderklub und Wellnessbereich.

Deck 14: FKK-Bereich, Sonnendeck, Joggingparcours, Sportaußendeck, Wellness-Oase

Deck 12: Sonnendeck, Disco, Body & Soul Spa, Golf,Ocean Bar, Pool Bar, Spa Suite

Deck 11: Sonnendeck, Golfsimulator, Bella Vista Restaurant, Biking Counter, Diving Counter, Pizzeria Mare, Theatrium

Deck 10: Theatrium, Bibliothek, Casino,
Weite Welt Restaurant, Fotogalerie, Vinothek

Deck 9: Shop, Diva Bar, Markt Restaurant, Sushi Bar, Theatrium-Bühne

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