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18. Dezember 2017 | 17:32 Uhr

Der kleine Präsident

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jan.2012 | 08:10 Uhr

Christian Wulff kämpft. Der Bundespräsident klammert sich an sein Amt, denkt nicht an Rücktritt, ringt um sein politisches Überleben. War dieses Fernsehinterview wirklich der Befreiungsschlag, der ihm wieder Luft verschafft? Oder warten die nächsten Vorwürfe bereits?

Das Staatsoberhaupt hat sein wichtigstes Kapital verspielt: Vertrauen und Integrität. Das höchste Staatsamt ist schwer beschädigt, auch wenn er selbst das nicht wahrhaben will. Ein Bundespräsident, der in seiner Vergangenheit über Verbindungen zu dubiosen Geschäftsleuten den privaten Vorteil gesucht hat und jetzt nicht davor zurückschreckt, mit der Kraft seines Amtes zu versuchen, Veröffentlichungen über seine Schnäppchen-Kredite und deren Vertuschung zu verhindern, ist nicht tragbar. Daran ändern auch jetzt seine späte Entschuldigung und das Versprechen auf Transparenz nichts mehr.

Wulff hat nicht die Größe, Konsequenzen zu ziehen und aus Respekt vor dem Amt abzutreten, um den Weg für die Wahl eines neuen, untadeligen Präsidenten frei zu machen. Es wäre zwar ein Ende mit Schrecken, aber allemal besser als eine Fortsetzung des Schreckens. Angela Merkel dagegen hat kein Interesse daran, Wulff als Präsident zu verlieren, hält weiter aus machtpolitischen Motiven an ihm fest. Schließlich handelt es sich um ihren Kandidaten. Würde sie von Wulff jetzt schon abrücken, müsste sie mit Widerstand und Kritik in den eigenen Reihen rechnen. Und gelänge es ihr nicht, einen überzeugenden Nachfolger durchzusetzen, bedeutete dies eine schwere Schlappe und eine empfindliche Schwächung nach innen und außen ein Jahr vor der Bundestagswahl.

So werden sich Merkel &. Co. nach Wulffs Interview hinter ihn scharen und hoffen, dass er noch einmal Tritt fasst. Der Respekt vorm Amt bleibt auf der Strecke.

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