Der Keim, der nicht zu fassen ist

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25. Mai 2011, 08:31 Uhr

Berlin | EHEC - der Keim ist heimtückisch, kann bleibende Schäden hinterlassen, und er verbreitet sich schnell. Auf mindestens 140 schwere Fälle schwoll die Infektionswelle bisher an. Mindestens eine Frau starb an dem Erreger, bei weiteren Todesfällen besteht EHEC-Verdacht. So wachsen bei vielen auch die Ängste. Doch so sehr Klarheit über die EHEC-Infektionen herbeigesehnt wird - so unsicher ist die Lage. Wohl deshalb überließen auch die Politiker tagelang den Fachleuten das Feld. Als sie am Mittwoch mit ernster Miene auf den Plan traten, konnten auch sie hinsichtlich der Infektionsquelle und weiterer Prognosen wenig Aufklärung bieten.

Unwissenheit stellt kein Politiker gern zur Schau. Also zeigen sich Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) und ihr Kollege vom Gesundheitsressort, Daniel Bahr (FDP), zuversichtlich, dass das Robert Koch-Institut (RKI) bei seinem Job bald Erfolg hat. "Ich bin optimistisch, dass die Mitarbeiter der Robert Koch-Instituts schnell die Ursache finden können", sagt Bahr. Dann wäre alles einfacher - Infektionswege könnten unterbrochen, die Quelle vielleicht sogar schnell zum Versiegen gebracht werden.

Mit seitenlangen Fragebögen versuchen die RKI-Spezialisten bei betroffenen Patienten den Weg des Keims zu entschlüsseln. Wo sind Gemeinsamkeiten? Waren es wirklich Salatbars, die Menschen, die sich gesund ernähren wollten, zum Verhängnis wurden? Spielte Gülle auf den Feldern eine Rolle? Kann sein - kann auch nicht sein, so oder ähnlich lassen sich die Expertenaussagen bisher dazu zusammenfassen.

Weit weniger optimistisch als Aigner und Bahr äußert sich RKI-Chef Reinhard Burger auf dem Weg zum Gesundheitsausschuss des Bundestags. Sein sorgenvolles Gesicht will gar nicht in das lichtgetränkte, freundliche Paul-Löbe-Haus am Berliner Spreebogen passen. Vielleicht könne man gar keine stichhaltigen Nachweise einer bestimmten Infektionsquelle finden, meint Burger. Doch wäre das möglicherweise nicht die schlechteste Variante - denn wenn leicht verderbliche Waren verantwortlich wären, die schon alle aufgegessen sind, wäre die Quelle damit ja wohl bereits versiegt. "An sich muss das jetzt abfallen, das kann nicht weitergehen", sagt Burger vor den Ausschusstüren. Doch gilt das laut RKI nur dann, wenn nun ein Verursacher-Lebensmittel gefunden wird oder es sich eben um ein Lebensmittel von kurzer Haltbarkeit handelt.

Beruhigendes kommt den Abgeordneten nicht über die Lippen. "Die starke Anhäufung von Infektionen und die Todesfälle sind sehr besorgniserregend", sagt der CDU-Fachpolitiker Jens Spahn. Dreierlei sei jetzt an der Tagesordnung: gute Behandlung der Patienten, die Einhaltung aller Hygieneregeln und die weitere Erforschung. Ins Detail geht der Bundespatientenbeauftragte Wolfgang Zöller (CSU) - so seien etwa auch Küchentücher zu waschen, wenn man damit Arbeitsflächen abgewischt hat, und zwar "mindestens bei 60 Grad".

Karl Lauterbach von der SPD warnt vor einer Entwarnung. "Wir müssen weiter vorbereitet sein, weil es eine gefährliche Epidemie werden könnte." Es könnte aber auch sein, dass die Höhepunkt der Infektionswelle schon erreicht ist - und EHEC bei der breiten Masse der Bevölkerung bald wieder in den Hintergrund rückt.

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