Der Keil aus Korea

Straffer Auftritt: Die Motorhaube des neuen Coupés ist lang und kräftig modelliert, und die seitliche Sicke schwingt sich nach hinten auf zu einer knackigen Hüfte. (Bild: Hyundai)
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Straffer Auftritt: Die Motorhaube des neuen Coupés ist lang und kräftig modelliert, und die seitliche Sicke schwingt sich nach hinten auf zu einer knackigen Hüfte. (Bild: Hyundai)

Bezahlbare Sportwagen sind rar geworden auf deutschen Straßen. Doch jetzt drängt der Hyundai Genesis Coupé auf die Überholspur. Für einen Kampfpreis von 22 000 US-Dollar kommt der Koreaner zunächst in den USA auf den Markt.

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24. Juli 2009, 12:03 Uhr

Hamburg (dpa-infocom) - Der Hyundai Genesis Coupé ist 4,63 Meter lang und hat mit dem Coupé aus dem europäischen Verkaufsprogramm nicht viel mehr als die Gattungsbezeichnung gemein. Während dieses Auslaufmodell außen mittlerweile eine dicke Staubschicht trägt und innen mit dem Sparstift gezeichnet wurde, trägt der Neuling für die neue Welt einen straffen Trainingsanzug. Die Scheinwerfer sind zu schmalen Schlitzen geworden und die Motorhaube ist lang und kräftig modelliert. Die seitliche Sicke schwingt sich nach hinten auf zu einer knackigen Hüfte, in der die LED-Rückleuchten wirken wie ein Lenden-Tatoo. Dazu gibt es zwei riesige Endrohre in einem angedeuteten Diffusor-Einsatz - und für einige Modelle als Tribut an die Selbstdarsteller unter den Jungkunden einen etwas pubertär wirkenden Heckspoiler.

Auch innen erlebt man eine neue Welt. Statt Langeweile und Lustlosigkeit regieren hier Lack und Leder. Obwohl selbst das Topmodell in den USA keine 31 000 Dollar kostet, sitzt man auf weich ausgeschlagenen Sportsitzen. Dabei genießt der Fahrer den Blick auf hübsch veredelte Kunststoffoberflächen, greift in ein ordentliches Lenkrad und freut sich am Sound einer mächtigen Musikanlage. Außerdem gibt es - zum Teil allerdings gegen Aufpreis - auch Xenon-Leuchten, sechs Airbags, ESP sowie einen Starterknopf und den dazugehörigen Funkschlüssel.

Die Plätze im Fond sind eine Zumutung

Weil der Radstand 2,82 Meter misst und das Coupé spürbar gewachsen ist, hat man vorne ordentlich Platz. Die Rückbank allerdings ist schon für Kinder keine Freude und für Erwachsene eine Zumutung - zumal sich die Koreaner eine Easy-Entry-Funktion für die Sitze gespart haben. Selbst wer nur eine Jacke hinter den Sitz wirft, muss deshalb danach erst wieder mühsam in Position juckeln.

Zwar sind die Fortschritte gegenüber dem alten Coupé augenfällig. Doch den größten Unterschied kann man nur fühlen: Denn wie bei der Genesis-Limousine haben die Koreaner für das Auto, das sie ehrfürchtig ihren «ersten echten Sportwagen» nennen, auf Heckantrieb umgestellt. Weil zudem das Fahrwerk trotz der gewöhnlich gelassenen US-Abstimmung überraschend bestimmt ist, die Brembo-Bremsen ordentlich Biss haben und die Lenkung weich aber präzise ist, macht das Coupé mit jeder Kurve mehr Spaß. Selbst wenn er nicht ganz so scharf und bissig ist wie ein Nissan 370Z oder gar das Coupé des 3er BMW, ist die Fahrfreude kein leeres Versprechen.

Mehr Leistung sorgt für mehr Fahrspaß

Dafür sorgen auch die deutlich erstarkten Motoren. Schon an der Basis steht ein zwei Liter großer Vierzylinder, der dank eines Turboladers auf 154 kW/210 PS und gut 300 Newtonmeter (Nm) Drehmoment kommt. Aber so richtig beginnt der Spaß erst mit dem neuen V6. 3,8 Liter groß und 223 kW/303 PS stark, geht er begleitet von einem lustvollen Röhren aus den Endrohren behände zur Sache. Etwa 370 Nm und ein knackig gestuftes Sechsganggetriebe reichen aus, um den Wagen in kaum mehr als sechs Sekunden auf Tempo 100 zu bringen. Und wo er in den USA bei 240 km/h elektronisch abgeregelt wird, könnte die Europaversion mühelos bis an die Sittlichkeitsgrenze von 250 km/h heranfahren.

Damit es irgendwann soweit kommt, müssen die Ingenieure allerdings noch einmal ran. Vor allem der Fußgängerschutz und die Euro-5-Norm bereiten ihnen noch Kopfzerbrechen. Aber schließlich hat Hyundai gerade erst mit dem aus den USA importierten Geländewagen ix55 gezeigt, dass sie solche Mühen nicht scheuen. Schon im kommenden Jahr könnte es deshalb auch für das Coupé soweit sein.

Fazit: Eine Portion Elan in der koreanischen Einfalt

So schmuck, wie der Wagen aussieht und so sportlich, wie er sich fahren lässt, wäre es jammerschade, wenn er nicht nach Deutschland käme. Auch wenn der Dollarpreis wie üblich beim Import 1:1 auf Euro umgeschrieben und noch einmal um 10 bis 20 Prozent angehoben würde, hätte der Keil aus Korea bei uns durchaus Chancen - und dem Image der Koreaner würde mehr Elan statt Einfalt auch nicht schaden.

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