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24. September 2017 | 19:46 Uhr

Der Japan-Schock

vom

svz.de von
erstellt am 18.Mär.2011 | 06:36 Uhr

Tokio/Frankfurt/Main | Die sieben wichtigsten Industriestaaten (G-7) haben zugunsten der von Erdbeben, Tsunami und Atomkrise angeschlagenen japanischen Wirtschaft eingegriffen. Sie sorgten gestern dafür, dass der Yen-Kurs sank, um so japanische Exporte zu fördern. Die Europäische Zentralbank (EZB), die USA, Großbritannien und Kanada beteiligten sich "aus Solidarität" zusammen mit Japan an einem "abgestimmten Eingriff" auf den Devisenmärkten, wie es in einer in Washington veröffentlichten Erklärung nach einer Telefonkonferenz hieß.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte an dem Gespräch teilgenommen. Bereits nach der Ankündigung verlor der Yen im Verhältnis zum Dollar stark an Wert. Gegen 1.00 Uhr deutscher Zeit schoss der Dollar auf gut 81 Yen, nachdem er zuvor knapp über 79 Yen gekostet hatte. Gegen 13.00 Uhr notierte der Dollar bei 81,62 Yen. Der Euro stieg zum Yen auf 115,25 Yen, von Kursen unter 111 Yen am Vortag.

Händlern in Tokio zufolge verkaufte das japanische Finanzministerium zunächst etwas weniger als eine Billion Yen (rund 9 Milliarden Euro) Die japanische Zentralbank pumpte nach eigenen Angaben zur Stabilisierung des Yens drei Billionen Yen (26,8 Milliarden Euro) in den Geldmarkt. Ihr Chef Masaaki Shirakawa drückte die Hoffnung aus, dass die von der G-7 versprochenen Aktionen den Yen-Kurs stabilisieren würden. Die Dämpfung des Yen-Kurses geschah zum ersten Mal seit dem Jahr 2000. Unter US-Präsident George W. Bush hatten die USA jedwede Intervention abgelehnt.

Der Dollar war am Mittwoch auf den niedrigsten Stand gegen den Yen seit Mitte der 40er Jahre gesunken. Das bürdete der japanischen Wirtschaft nach der Dreifach-Katastrophe eine zusätzliche Belastung auf. Händler hatten erwartet, dass japanische Investoren ihr Geld aus dem Ausland abziehen könnten, um die immensen Schäden in Japan zu bezahlen. Dadurch war der Yen-Kurs gestiegen.

"Mit der Ankündigung, gemeinsam zu intervenieren, haben die G-7-Zentralbanken eine weitere Aufwertung des Yen stoppen können", sagte Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Wichtig dabei sei, dass sich die Zentralbanken in diesem Vorstoß einig seien. So könnten sie weitere Versuche von Devisenhändlern verhindern, den Yen aufzuwerten. Leuchtmann zufolge hatte die japanische Zentralbank auch weitere Maßnahmen ergriffen, um die Folgen der Krise auf die Finanzmärkte abzumildern. So stellte sie den japanischen Banken in großem Umfang Geld zur Verfügung, damit sie nicht in kurzfristige Liquiditätsengpässe rutschen. Außerdem kaufte sie mehr Wertpapiere als ursprünglich geplant, insbesondere japanische Staatsanleihen.

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