Der Geisterfahrer vom Pfaffenteich

Szenen wie aus einem Actionfilm: Auf der Flucht vor der Polizei raste ein angetrunkener 20-Jähriger mit seinem betagten Auto gestern Früh mit Vollgas quer über den zugefrorenen Pfaffenteich. Nach 600 Metern brach das Fahrzeug kurz vor dem Nordufer ein. Beamte retteten dem jungen Mann, dem im eisigen Wasser die Kräfte schwanden, das Leben. In einer mehrstündigen Bergungsaktion zog die Polizei das Fahrzeug gestern Mittag aus dem Binnengewässer.

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08. Januar 2009, 11:01 Uhr

Schwerin | Südufer Pfaffenteich, gestern Früh gegen 3.30 Uhr: Ein mit vier jungen Männern im Alter von 18 bis 20 Jahren vollbesetzter Nissan Sunny nähert sich aus der Mecklenburgstraße kommend mit hohem Tempo, rammt an der Arsenalstraße einen Poller. Aus noch ungeklärter Ursache schlittert der betagte Pkw über die Freitreppe, rutscht über die Stufen auf den zugefrorenen Pfaffenteich.


Um das Fahrzeug wieder flott zu bekommen, steigen die drei Mitfahrer - einer aus Schwerin, zwei aus dem Umland - aus. Der 20-jährige Fahrer aus Grambow setzt mit dem Nissan Sunny auf dem Eis ein paar Meter zurück, tritt mit dem Ziel, die Treppe wieder hinaufzufahren, auf das Gaspedal. Das Manöver misslingt. Mehrmals nimmt der junge Mann neuen Anlauf. Fast hat er es geschafft. Nur noch die Hinterräder stehen auf dem Eis, der auf der Treppe stehende Rest des Fahrzeugs ragt vor ihm in die Höhe. Doch in diesem Moment sieht er einen Polizeiwagen auf das Südufer zusteuern. Sofort legt der 20-jährige den Rückwärtsgang ein, wendet den Nissan auf dem Eis - und rast mit Vollgas quer über den zugefrorenen Pfaffenteich. Nach gut 600 Metern endet die Flucht: Kurz vor dem Nordufer, wo die Eisdecke wegen fließender Gewässer immer brüchiger wird, sackt das Fahrzeug ab. Erst gehen die Lichter des Autos aus, dann steigen erste Blasen aus dem Wasser auf.

Noch bevor das Auto ganz untergeht, kann der junge Grambower den Pkw verlassen. Weil er seine Flucht zu Fuß genau dorthin fortsetzt, wo das Eis noch dünner wird, bricht er wenige Meter vor festem Boden in das eisige Wasser ein. Schnell schwinden ihm die Kräfte, lange wird er im eisigen Wasser nicht mehr überleben.

Die Polizisten, die schon das Schlimmste befürchten, eilen vom Süd- zum Nordufer. Vor Ort herrscht zunächst Stille. Doch dann hören die Beamten ein leises Platschen. Sie reichen dem Verunglückten ein Holzbrett, können ihn schließlich ans Ufer ziehen. Ein Rettungswagen bringt den jungen Mann sofort in die Helios-Kliniken. Diagnose dort: Unterkühlung - und mehr als 1,1 Promille Alkohol im Blut.

"Ob auch Drogen im Spiel waren, wird sich noch klären", sagt Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Gegen den jungen Mann, der das Krankenhaus mittlerweile schon wieder verlassen hat, wird jetzt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht ermittelt.

Hunderte Schaulustige bei Bergung des FahrzeugsNordufer Pfaffenteich, gestern 11 Uhr: Polizeitaucher Jan Neubauer steigt unter den Blicken hunderter Passanten in das Null Grad kalte Wasser. Seine Aufgabe: ein Seil an dem in 2,5 Meter Tiefe liegenden Nissan anzubringen, so dass er die etwa 15 Meter bis ans Ufer gezogen werden kann. Die Aktion klappt, gut zehn Minuten später kann die Seilwinde am Polizei-Unimog in Betrieb gesetzt werden. Schon fährt der Kran des Bergungsfahrzeuges über das noch vom Wasser bedeckte Auto aus. Die Seile spannen, Blasen steigen auf, langsam taucht die silberne Kühlerhaube des Nissans auf, von der schwarzer Schlamm trieft. Wie aus einem vollgeso genen Schwamm rinnt das Wasser. Um 13.10 Uhr ist das Unglücksauto ist geborgen.

Sein waghalsiges Unternehmen könnte für den 20-Jährigen teuer werden. Auf bis zu 20 000 Euro werden allein die Kosten des Bergungseinsatzes geschätzt. Und zu Hause droht auch Ärger: Der nun schrottreife Nissan ist auf ein Familienmitglied des Mannes zugelassen.

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