Der faulste NPD-Abgeordnete: Bernd Flotow schwänzte 20 von 45 Sitzungen in der Stralsunder Bürgerschaft

Mit vollmundigen Parolen wie „Frischer Wind in die Parlamente“ sind zwei NPD-Vertreter 2004 in die Stralsunder Bürgerschaft eingezogen. Bislang glänzte Bernd Flotow vor allem durch Abwesenheit.

von
17. Januar 2008, 10:33 Uhr

Stralsund - Wenn die beiden NPD-Abgeordneten Bernd Flotow und Dirk Arendt in die Stralsunder Bürgerschaft einmarschieren, dann fallen sie vor allem durch ihr umständliches Werkeln an den mitgebrachten Klappstühlen auf. Denn weil sich die beiden Kameraden nicht auf die „Bonzensessel“ im Parlament setzen wollen, schleppen sie sich mit ihren eigenen Sitzgelegenheiten ab.

Häufig ist das skurrile Schauspiel allerdings nicht zu beobachten. Denn meistens glänzt der 54-jährige Bauarbeiter Flotow durch Abwesenheit. „Seit Beginn der Wahlperiode im Jahr 2004 nahm Herr Flotow von insgesamt 45 nur an 24 Sitzungen teil“, sagt der Präsident der Stralsunder Bürgerschaft, Rolf-Peter Zimmer (CDU), über den notorischen Schwänzer. Seit Sommer 2006 war der NPD-Mann sogar nur ein einziges Mal im Parlament gesehen worden.

Für die gestrige Sitzung hatte Flotow dafür zum ersten Mal eine Entschuldigung geschickt. Denn im November war dem Präsidenten der Kragen geplatzt. Für das andauernde unentschuldigte Fehlen hatte Zimmer dem NPD-Mann mit einem Ordnungsgeld gedroht. Die Höhe sollte nach einem Gespräch mit den anderen Fraktionsvorsitzenden festgelegt werden. Denn in Mecklenburg-Vorpommern gilt laut Kommunalgesetz schließlich Mandatspflicht. „Die anderen Abgeordneten nehmen ihr Mandat ernst, fehlen so gut wie nie“, so Zimmer.

Für Flotow entschuldigte sich sein Parteikamerad Dirk Ahrendt in einem Brief an den Präsidenten. Flotow habe eine Arbeit in Holland gefunden und könne deshalb nicht regelmäßig an den Sitzungen teilnehmen, heißt es in dem Schreiben.

Inzwischen hat es auch eine Aussprache zwischen dem Schwänzer und dem Präsidenten gegeben. „Sein Mandat will Herr Flotow trotz der Arbeit in Holland nicht niederlegen“, wundert sich das Oberhaupt der Bürgerschaft. Das habe Flotow damit begründet, dass die NPD keinen Nachfolger für ihn finde, sagt Zimmer.

Die rechtsextreme Szene in Stralsund kocht und setzt ihre Enttäuschung ins Internet. Auf einer ihrer Seiten schreibt Kamerad „88-Wotan-88“ in einem Chat: „Ich weiß sowieso nicht, was die beiden Flachzangen Arendt und Flotow im Rathaus wollen. Zwei politische Nullen ergeben noch keine Zahl.“ Auf einer anderen Seite fragt der Schreiber zynisch, ob Flotow darüber enttäuscht sei, „im vergangenen Jahr keinen lukrativen Posten im Schweriner Landtag bekommen zu haben“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen