Der Dunkelheit entrissen

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26. Januar 2009, 08:10 Uhr

Berlin | In Schulen wie an Universitäten sind sie gern gesehene Gäste: Zeitzeugen, die über einen bestimmten Abschnitt der Geschichte aus eigenem Erleben berichten können. Aus einem ganz persönlichen Blickwinkel erinnern sie sich an Details, die nirgendwo schriftlich überliefert sind. Doch auch Zeitzeugen werden älter. Das gilt für die Friedensdemonstranten und Umweltaktivisten aus den letzten Jahren der DDR, das gilt aber vor allem für die Opfer des Nationalsozialismus. Nur noch wenige von ihnen sind heute noch am Leben.

Deshalb haben die im Jahr 2000 vom Bund und der Wirtschaft zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter gegründete Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ), die Freie Universität Berlin und das Deutsche Historische Museum ein einzigartiges Projekt gestartet: Historiker in ganz Europa und den USA interviewten mehr als 590 Zeitzeugen zu ihren Erlebnissen als Zwangsarbeiter.

Anschließend wurden die Video- und Tonbandaufnahmen digitalisiert und systematisiert. Seit Donnerstag sind sie für Lehre und Forschung, Schulen und Gedenkstätten nach vorheriger Registrierung im Internet abrufbar: Mehr als 2000 Stunden Tonmaterial in 25 Sprachen und mehr als 5500 Fotografien finden sich nun im Internet. 2,5 Millionen Euro hat die Stiftung bislang dafür investiert.

"Das Archiv erlaubt es, die biologische Grenze, die Gesprächen mit Zeitzeugen gesetzt ist, aufzuheben", sagt die Professorin für die Geschichte Ostmitteleuropas am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin, Gertrud Pickhan. Die persönlichen Erinnerungen der ehemaligen Zwangsarbeiter geben "einzigartige Einblicke in die Lebenswirklichkeit im Lager, im Bergwerk, beim Bauern und in den Baracken der Konzentrationslager."

Manche Erkenntnis hat auch die Forscher überrascht. Von deutschen Lagern für Roma in Transdnistrien, in denen offenbar Menschenversuche stattgefunden haben, habe man bislang nichts gewusst, sagt der stellvertretende Präsident des DHM, Dieter Vorsteher.

"Aber wir erfahren auch von Menschlichkeit, wo diese nicht vorgesehen war", sagt Gertrud Pickhan. "Die Forschung wird sich damit auseinandersetzen müssen, dass mitunter auch von Deutschen berichtet wird, die es wagten, den hungernden und entrechteten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zu helfen." er wo?

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