Der dokumentierte Wille ist bindend

Kati Wilhelm, Olympiasiegerin im Biathlon, gehört  zu  den Prominenten, die  für die  Organspende  werben. maurizio  gambarini
Kati Wilhelm, Olympiasiegerin im Biathlon, gehört zu den Prominenten, die für die Organspende werben. maurizio gambarini

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31. Mai 2013, 11:49 Uhr

Was spricht für, was gegen eine Organspende? Um ihren Versicherten die Abwägung zu erleichtern, hat die AOK eine Entscheidungshilfe ins Internet gestellt (http://www.aok.de/bundesweit/gesundheit/organspende-startseite-189245.php). Hier einige der Fragen und Antworten, die dort nachzulesen sind:

Ist mein Wille für oder gegen eine Organspende bindend?

Ja. Wenn dieser Wille eindeutig dokumentiert ist - beispielsweise in einem Organspendeausweis - ist er bindend. Die Entnahme von Organen ist nur zulässig, wenn eine Einwilligung vorliegt.

Schwierig wird es, wenn sich Dokumente widersprechen - beispielsweise wenn ein Widerspruch zwischen Organspendeausweis und Patientenverfügung besteht. In diesem Falle muss ermittelt werden, welche Willenserklärung gelten soll. Um solche Widersprüche zu vermeiden, sollte man ungültige Willenserklärungen vernichten oder bei neueren Willenserklärungen darlegen, wie sich diese zu älteren verhalten.

Kann ich mitbestimmen, welche Organe entnommen bzw. nicht entnommen werden?

Ja. Laut Transplantationsgesetz kann der potentielle Spender ohne Begründung bestimmen, welche Organe entnommen werden dürfen und welche nicht. Im Organspendeausweis sind entsprechende Felder vorgesehen, in welchen man ankreuzen und die betreffenden Organe nennen kann.

Wer entscheidet über eine Organspende, wenn ich zu Lebzeiten keinen Organspendeausweis ausgefüllt habe?

Das Transplantationsgesetz sieht einen abgestuften Entscheidungsprozess vor:

1. Wenn ein erklärter Wille bezüglich einer Organspende nicht vorliegt, werden die nächsten Angehörigen dazu befragt. Möglicherweise hat der Verstorbene sich zu Lebzeiten gegenüber seinen Angehörigen zur Frage der Organspende erklärt. In diesem Fall wird entsprechend dieser Erklärung gehandelt.

2. Ist eine solche Erklärung nicht bekannt, muss der mutmaßliche Wille des potenziellen Spenders ermittelt und beachtet werden. Grundlage hierfür können z.B. frühere Gespräche zum Thema Organspende sein.

3. Lässt sich der mutmaßliche Wille nicht ermitteln, wird der nächste Angehörige gebeten, die Entscheidung zu treffen. Der Angehörige kann einer Organspende widersprechen oder zustimmen. Es ist auch möglich, dass er sich Bedenkzeit verschafft, indem er unter Vorbehalt entscheidet. Er kann z.B. erklären: "Ich stimme zu, möchte aber eine Bedenkzeit haben, z.B. bis zum nächsten Morgen." Oder: "Ich lehne eine Organentnahme ab, möchte dies bis zum Abend widerrufen können." Eine solche Erklärung unter Widerrufsvorbehalt muss schriftlich dokumentiert sein. Wenn sich die Angehörigen nicht entscheiden wollen oder können und deswegen keine Zustimmung erteilen, wirkt dies wie eine Entscheidung gegen eine Organspende.

Muss man den Organ-Spenderausweis ständig bei sich tragen?

Nein. Man ist nicht verpflichtet, den Spenderausweis immer bei sich zu tragen. Wenn man ihn nicht bei sich hat, riskiert man aber, dass er im Ernstfall nicht gefunden wird und damit auch nicht entsprechend gehandelt wird. Wer einen Spenderausweis ausgefüllt hat - unabhängig davon, ob in diesem eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende dokumentiert ist -, sollte diesen z.B. zusammen mit dem Führerschein oder Personalausweis mit sich führen. Es kann auch empfehlenswert sein, eine Kopie zusätzlich an einem Ort zu hinterlegen, den insbesondere die Angehörigen kennen.
Können Minderjährige einen Organspendeausweis ausfüllen?

Ja. Das Transplantationsgesetz sieht vor, dass auch Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organspende ab dem vollendeten 16. Lebensjahr und einen Widerspruch ab dem vollendeten 14. Lebensjahr ohne Zustimmung eines Erziehungsberechtigten erklären können.

Beim Tod eines jüngeren Kindes sind die Eltern verpflichtet, den geäußerten oder mutmaßlichen Willen des Kindes bei der Entscheidung zu berücksichtigen. Nur wenn dieser Wille nicht bekannt ist, dürfen Eltern allein aufgrund ihrer eigenen Vorstellungen entscheiden.

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