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18. November 2017 | 02:13 Uhr

Der Beobachter

vom

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2012 | 09:12 Uhr

Seit seinem 10. Lebensjahr lebt Christian Garate im Exil. Nach dem Putsch in Chile 1973 waren seine Eltern mit ihm in die damalige DDR gekommen. Er hat die Völkerfreundschaft erfahren, derer sich die damalige Partei- und Staatsführung rühmte. "Für die Menschen war klar: Die Ausländer kommen her, um zu arbeiten oder zu studieren, und irgendwann gehen sie wieder nach Hause", sagt er. Nach der Wende wurde ihm vorgehalten: Wir sind jetzt Westdeutsche und du bist der Ausländer.

Anfang der 1990er-Jahre arbeitet Christian Garate im Jugendamt der Stadt Rostock. Er spürt die wachsenden Vorbehalte gegen Menschen von anderswo. "Wenn das hier so weiter geht, sind wir Ausländer nicht mehr froh", so seine Sorge. Dann der Schock: die brutalen Angriffe auf das Asylbewerberheim in Hoyerswerda im September 1991. Der Gedanke, dass sich der Staat geschlagen gab, als die Ausländer unter dem Beifall der wütenden Meute weggefahren wurden. "Wenn das dort passiert, kann es auch hier passieren. Das waren meine Gedanken." In Rostock kam es schlimmer. "Man hat das bewusst eskalieren lassen", sagt Christian Garate. Profitiert habe die CDU, die seinerzeit mit dem Satz "Das Boot ist voll" vehement um eine politische Mehrheit zum Umbau des Asylrechts warb. "Man hat den Fall genutzt, um die SPD unter Druck zu setzen, damit sie der Verschärfung zustimmt." Am 29. August 1992 ist Christian Garate bei der Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus in Lichtenhagen dabei. Er hat nicht aufgehört, sich für Integration und Toleranz zu engagieren. Bis heute lässt ihn die Frage nach der Verantwortung für das Geschehen nicht los. "Es ist nach wir vor so, dass alle sich rausreden."

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