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17. Oktober 2017 | 00:03 Uhr

Den Politikern fehlt der Mut

vom

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2012 | 10:01 Uhr

Man kann es wenden wie man will, die Intendanten und Theaterleute im Land haben nach den Brodkorbschen Vorgaben lediglich die Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Jedes der neun Modelle, die jetzt abgewogen werden, führt zu einem Kulturabbau in der heutigen Theater- und Orchesterlandschaft. Die Frage ist, kommt man um die Reform herum? Da es bislang den Protagonisten nicht gelungen ist, dem Land und vor allem den theatertragenden Kommunen mehr Geld abzuringen, kann man diese Frage ganz einfach mit "Nein" beantworten. Man kann sich nur das leisten, was man bezahlen kann. Diese einfache Formel ist der große Zusammenhang.

Wenn Schwerin sich ein teures Theater leisten will, muss die Stadt an anderer Stelle sparen. Wenn Rostock in eine 60 Millionen teure Spielstätte investieren will, muss das Geld irgendwo hergenommen werden. Wenn die Intendanz in Neubrandenburg/Neustrelitz so weiter machen will wie bisher, reicht ein Einspielergebnis von zehn Prozent nicht aus. Der Blick auf die zweifelhaft schmerzhaften Schnitte in der Vergangenheit hilft nicht bei Gestaltung der Zukunft.

Doch so, wie die Theaterdebatte derzeit geführt wird, zeigt jeder Betroffene nur mit dem Finger auf den andern, ohne dass sich etwas bewegt. Die Theaterreform in MV scheint nur zwei Wege zu kennen. Entweder, Kommunen und Land entscheiden sich, mehr Geld in die Spielstätten zu stecken. Wobei die Kommunen dabei mehr gefordert wären als das Land. Schon jetzt zahlen die Träger von den insgesamt über 60 Millionen Euro Zuschüssen deutlich weniger als das Land. Oder, es kommt zu einem Konzentrationsprozess, der alle Theater und Orchester betrifft, der alle Spielstätten schlechter macht.

Der Mut, der bislang den Politikern auf allen Ebenen fehlt, ist die Entscheidung für ein Landestheater und - eventuell - eine Landesoper. Qualitativ ausgewählt aus den besten Häusern und vollständig getragen vom Land. Aber auch versehen mit Garantien, die mehr als auf einem unbedingten Sparwillen fußen, sondern Qualität zum Ziel haben. Das muss nicht heißen, dass die Theater aus der Fläche verschwinden. Doch sie werden dort das sein, was sie sind: Kommunale Häuser, für die ihre Städte und Landkreise die Verantwortung tragen. Aber welcher Politiker traut sich das?

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