Dem Recht nachhelfen

von
26. Mai 2008, 07:56 Uhr

Behinderte stoßen in ihrem Leben oft auf Probleme, auf die der Nichtbehinderte gar nicht kommt. Wie alle Hausbewohner soll eine Rollstuhlfahrerin den Keller des gemeinsamen Hauses reinigen. Das Ungerechte: Sie nutzt den Keller nie, kann ihn gar nicht betreten. Streng juristisch gesehen, alles in Ordnung. Aber ist es sonst das gesellschaftliche Ideal, Behinderte möglichst gleichgestellt zu behandeln, führt dieser Grundsatz hier ins Gegenteil – der sowieso schon Benachteiligten werden noch mehr Steine in den Weg gelegt.

Die Ursachen liegen in allzu starren Rechtsvorgaben und deren blinder Befolgung. Beide können den vielfältigen Problemen und Situationen, die in der realen Welt auftauchen können, gar nicht gerecht werden. Vor dem Gesetz sind eben nicht alle gleich. Doch wo das System versagt, muss der Mensch aushelfen: Flexibilität und vor allem Solidarität sind gefragt. Bürgernahe Institutionen können rechtliche Umwege finden, Menschen können benachteiligten Menschen helfen – wenn sie denn wollen.

Gar nicht leicht in einer Gesellschaft, in der oft das „Ich zuerst“ im Vordergrund steht. Jeder Einzelne hat mit seinem Leben schon genug zu tun. Doch in einer Zeit, in der Viele Isolierung und fehlenden Zusammenhalt in der Gesellschaft beklagen, muss Solidarität oberstes Gebot sein – auch wenn man dem hinterherhinkenden Recht manchmal auf die Sprünge helfen muss – oder eben in den Keller.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen