Dassow: Malochen im Millionengrab

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11. Februar 2008, 07:38 Uhr

Dassow - Der Start der Qualifizierung für etwa 500 Beschäftigte des insolventen DVD-Werks in Dassow verzögert sich erneut. Noch fehlen Listen, aus denen hervorgehe, wer bereits in die Qualifizierung einsteige und wer noch bis Ende Februar mit der Abarbeitung von Aufträgen beschäftigt ist.

Seit Oktober herrscht die Unsicherheit und kein Ende ist in Sicht. Damals meldete die ODS Business Service Group GmbH für ihr CD- und DVD-Werk Insolvenz an. Erst war von Schließung die Rede, dann kam die Furcht vor sogenannten Heuschrecken. Inzwischen hat das Land vier Millionen Euro zur Finanzierung der Transfergesellschaft „Küste“ zugesagt, in der seit gestern 500 der 1100 Mitarbeiter qualifiziert werden sollen. Doch nun ist wieder alles anders: Statt heute soll die Qualifizierung erst am Montag beginnen. Dennoch: Die Vier-Millionen-Investition ist den Angestellten zu wenig Unterstützung aus den Reihen der Politik. Sie wissen schließlich nicht, wie es um ihre berufliche Zukunft bestellt ist und arbeiten trotzdem weiter – auch an den Wochenenden und im Schichtdienst.

So auch Volker Schubert aus Badow. Er gehört zu den Mitarbeitern des Werkes, die noch nicht für die kommende Transfergesellschaft unterschrieben haben. „Wenn sie dann sicher kommt, werde ich das auch machen“, zeigt Volker Schubert ein wenig Verunsicherung über die Zukunft bei ODS, die alle Angestellten mit sich tragen. „Aber es wäre eine große Hoffnung über die Transfergesellschaft in einen neuen Job vermittelt zu werden“, sagt der Badower. Die Transfergesellschaft sei sicher eine positive Entwicklung für die meisten seiner Kollegen.

Die bemängeln vor allem die Haltung der Politik, insbesondere der Bundeskanzlerin Angela Merkel, gegenüber der Insolvenz in Dassow, der mehr als 1000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten. „Es ist auf jeden Fall richtig, dass Frau Merkel das große Interesse für die Nokia-Schließung in Bochum zeigt. Aber fast ebenso viele gefährdete Arbeitsplätze in ihrer Heimatregion sollten sie mindestens so sehr beschäftigen“, sagt ein Angestellter, der sich wie viele in Dassow von den Regierenden allein gelassen fühlt. Kritisch sieht Volker Schubert auch die Informationspolitik bei ODS. Infos über den eigenen Arbeitsplatz und die Zukunft des Unternehmens in Dassow bekämen die Angestellten nur aus den Medien. Daher fühlten sich die meisten der Arbeiter im DVD-Werk völlig in der Schwebe, was ihre berufliche Zukunft betrifft. „Wenn dann mal hart arbeitende Kollegen berechtigt nach noch ausstehenden Urlaubstagen gefragt werden, bekommt man nur die flapsige Antwort, man solle in die Transfergesellschaft wechseln“, berichtet Volker Schubert.

Die Debatte um die Förderpolitik geht inzwischen weiter. Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion Michael Roolf sagte gestern gegenüber unserer Redaktion: „In das Werk flossen 70 bis 80 Millionen Euro öffentliche Gelder.“ Aus Sicht der Liberalen steht Dassow für ein Millionengrab von Fördergeldern.

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