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Das verschwiegene Geschäft mit den Hollywood-Stars

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erstellt am 20.Feb.2013 | 10:14 Uhr

Potsdam | Branchendienste berichten von einem neuen, großen Projekt - das Filmstudio Babelsberg schweigt. Klatschreporter sichten Hollywoodstars in der Region - kein Wort dazu aus Potsdam.

Paparazzi liefern die Fotos - es bleibt bei "kein Kommentar". So etwas sagt Studiosprecher Eike Wolf derzeit oft. Oscar-Preisträger George Clooney will in Babelsberg seinen Film "The Monuments Men" drehen und hat dafür seit Wochen ein eigenes Büro auf dem Gelände des Studios. Dass dem so ist, bestätigte das Studio jedoch erst vor kurzem.

Aus gutem Grund, wie Wolf meint. "Genauso schnell wie die Top-Projekte da sind, können sie auch wieder weg sein", erklärt er und verweist auf Hollywoodstar Tom Cruise. Der wollte 2004 im Studio und in Berlin "Mission Impossible 3" drehen. Die Crew hatte in Babelsberg Büros. Doch dann gab Bundestagspräsident Wolfgang Thierse kein grünes Licht für Dreharbeiten in der Reichstagskuppel - und weg war Weltstar Cruise.

Andere blieben: Zum Beispiel Quentin Tarantino, der mit Weltstars wie Brad Pitt in Babelsberg "Inglourious Basterds" drehte - und mit seiner Crew dort arbeitet, wo nun Clooney und seine Leute sitzen. Sie alle können auf Verschwiegenheit setzen.

"Wir brauchen nicht um Aufmerksamkeit zu kämpfen - Babelsberg kennt jeder in der Branche", sagt Wolf mit Blick auf die über 100-jährige Geschichte des Studios. "Die Referenzen müssen wir uns aber immer wieder neu erarbeiten - mit jedem neuen Film."

Die Zurückhaltung ist aus Sicht des Ex-Direktors der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf"(HFF), Dieter Wiedemann, angebracht - vor allem in Zeiten von Twitter und Co.

"Obwohl Cast und Geld noch nicht gesichert sind, schwirrt das schon durch die Welt - dadurch werden Menschen und Projekte schnell verbrannt", meint der langjährige Hochschulleiter. "Verschwiegenheit wird darum immer wichtiger in unserem Gewerbe. Man sollte erst etwas sagen, wenn die Verträge unterschrieben sind", rät Wiedemann.

Suche nach Drehmotiven soll nicht vergeblich gewesen sein

Am Rande der Berlinale war zu beobachten, wie vorsichtig das Studio ist. Obwohl die Dreharbeiten zu "The Book Thief" ("Die Bücherdiebin") mit Emily Watson und Geoffrey Rush in Kürze starten, hatte das Unternehmen dazu noch nichts mitgeteilt. Beim Empfang der Filmförderanstalt "Medienboard" stand nun Produzent Redmond Morris samt Crew-Mitgliedern auf dem roten Teppich - für die Medien der Beweis, dass Gerüchte stimmen. Sprecher Wolf bestätigte offiziell - aber erst nachdem der Produzent auch das Okay gegeben hatte.

"Klar ist das paradox", sagt Wolf. "Der Film braucht Aufmerksamkeit. Das fertige Produkt wird aufwendig beworben - aber vorher wollen die Unternehmen nichts kommunizieren." Das Studio hält sich daran, weil monatelange Verhandlungen und die aufwendige Suche nach Drehmotiven nicht vergeblich gewesen sein sollen.

"Außerdem brauchen wir Ruhe für die Arbeit" betont Produzent Stefan Arndt. Für "Cloud Atlas" ("Wolkenatlas") hat Arndt mit den Oscar-Preisträgern Tom Hanks und Halle Berry in Babelsberg gearbeitet. "Die waren glücklich hier - weil sich die Fotografen noch benehmen", sagt Arndt.

Es gilt die Persönlichkeitsrechte der Stars zu wahren. Vor allem aber geht es um den Produktionsplan. Stören Fans oder Paparazzi den geplanten Ablauf am Set, ist alles in Gefahr: die Laune der Stars, deren Lust am Spiel, der Zeitablauf - und das kostet Geld.

"Die Berliner gehen noch recht entspannt mit der Filmerei um", meint eine Mitarbeiterin von Arndt. Studiosprecher Wolf beobachtet jedoch, dass sich Foto-Jäger - Laien wie Profis - zunehmend vernetzen. Ihre Beute sind Bilder von George Clooney, der in Berlin und Brandenburg auf Motivsuche unterwegs ist. "Gerne sehen wir das nicht - aber verhindern können wir es nicht", meint Wolf. Nur kommentieren wird er es nicht.

Filmstudio Babelsberg

Das Filmstudio Babelsberg gilt als Wiege des deutschen Films. Der Grundstein für das Atelier wurde am 3. November 1911 in dem Potsdamer Stadtteil gelegt, am 12. Februar 1912 fiel die erste Klappe zu Urban Gads Stummfilm „Der Totentanz“.

1921 übernahm die 1917 gegründete Universum Film AG (Ufa) die Regie und errichtete 1926 für die Großfilmproduktion „Metropolis“ von Fritz Lang ein riesiges Atelier, die heutige „Marlene Dietrich Halle“. 1929 wurde das erste deutsche Tonfilmatelier gebaut.

Von 1933 bis 1945 entstanden dort rund 1000 Spielfilme, darunter viele Propagandafilme für die Nazis. Am 17. Mai 1946 wurde die deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft DEFA (Deutsche Film AG) gegründet. 1992 verkaufte die Treuhandanstalt die Studios an den französischen Konzern Compagnie Générale des Eaux (heute: Vivendi Universal). 2004 erwarben die Filmbetriebe Berlin Brandenburg GmbH (FBB) die Filmstudios. Im Frühjahr 2005 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Bis heute wurden in Babelsberg mehr als 3000 Filme gedreht. Außerdem werden in den Studios seit Jahren zahlreiche TV-Serien und -Filme produziert. Zu den erfolgreichsten Produktionen gehört die RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

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