zur Navigation springen

Kampfhunde werden resozialisiert : „Das Problem liegt am Leinenende“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kampfhund oder Therapiehund? Der Fall Tascha bewegte die Gemüter. „Das Problem liegt jedoch am oberen Ende der Leine“, sagt Burkhard Stimming. Er betreibt in Kunersdorf in Märkisch-Oderland einen Gnadenhof.

Kampfhund oder Therapiehund? Der Fall Tascha bewegte die Gemüter. „Das Problem liegt jedoch am oberen Ende der Leine“, sagt Burkhard Stimming. Er betreibt in Kunersdorf in Märkisch-Oderland einen Gnadenhof. Dort hat er sich auf die Resozialisierung von sogenannten Kampfhunden spezialisiert.

Ashton ist sieben Jahre alt. Der American Staffordshire Terrier genießt die Fellpflege – und vor allem die Aufmerksamkeit, die André Stimming ihm zuteilwerden lässt. Auf dem Gnadenhof „Letzte Zuflucht“ ist das als Kampfhund eingestufte Tier untergebracht. 2002 hat Burkhard Stimming – als Reaktion auf das damalige Verbot – den Hof gegründet. Seit Beginn der 1990-er Jahre hatte er selbst einen Kampfhund. „Als noch keiner wusste, was das ist“, sagt der heute 55-Jährige.

Auch er hat die Diskussion um Tascha und den im Wachkoma liegenden Dylan verfolgt. Und differenziert zwischen den auf der Liste der gefährlichen Hunderassen wie Staffordshire, Pittbull und Bullterrier stehenden Vierbeinern. „Es schmücken sich die verkehrten Menschen mit diesen Tieren“, lautet seine Überzeugung. Das habe die Rasse kaputt gemacht. Er kennt Fälle, da wurden die Hunde auf andere Tiere abgerichtet, sie wurden geschlagen, mussten hungern, wurden eingepfercht und somit scharf gemacht. Da sei es kein Wunder, dass die Tiere aggressiv würden. „Auch ist Aggression oft ein Ausdruck fehlender Bewegung“, sagt Stimming. Auf seinem Hof, auf dem rund 80 Tiere vom Kaninchen bis zum Pony leben, bekommen die Hunde täglich Auslauf. Drei Mal am Tag werden sie in Gruppen auf dem weitläufigen Gelände ausgeführt. Gerade für die Kampfhunde ein wichtiger sozialer Prozess. „Auch Ashton war durch fehlenden Kontakte aggressiv und isoliert. Hier musste er erst einmal runterfahren, sich beruhigen“, erklärt Burkhard Stimming. „Wie sollte er Sozialverhalten lernen, wenn jeder die Straßenseite wechselt?“ Also liegt es nicht in der Natur des Kampfhundes, bösartig zu sein? Stimming schüttelt den Kopf.

Allerdings sei ein Terrier ein Terrier. „Auch ein Jack Russel. Die sind eben etwas aufgeregter als andere Hunde, aber auch leichter zu motivieren zum Beispiel“, berichtet er. Die Hälfte aller Hunde, die Burkhard Stimming bei sich in all den Jahren aufgenommen hat, und von denen schon einige inzwischen verstorben sind, kamen aufgrund von sogenannten Beißvorfällen zu ihm. „Hier gab es keinen einzigen“, sagt Stimming. Grund dafür sei zum Beispiel die klare Rudelstruktur. Etwas, das alle Hunde brauchen, ist er überzeugt. „Entweder sie sind 24 Stunden am Tag der Rudelführer oder gar nicht.“ Dabei sei die Größe des Hundes völlig egal. „Der Hund muss verstehen, dass er der Hund ist. Er ist in erster Linie ein Tier, dann ein Hund und dann Fiffi.“ Viele würden auch vergessen, dass ein Hund Zeit und Mühe mache. Zudem sei die Erziehung elementar. Deshalb würde er sich wünschen, dass alle Hundebesitzer eine Sachkundeprüfung ablegen würden. Einen Befähigungsnachweis, mit dem grundlegende theoretische Kenntnisse über Hunde und ihre Haltung belegt werden. Zu viel Hunde-Elend hat Burkhard Stimming in seinem Leben gesehen.

Der Betreiber des Gnadenhofs hat eine Sondergenehmigung, denn Haltung und Zucht von als gefährlich eingestuften Rassen sind seit Jahren in Brandenburg verboten. In Berlin und anderen Bundesländern jedoch nicht. Deshalb hegt Burkhard Stimming die Hoffnung, seine derzeit bei ihm lebenden sogenannten Kampfhunde weitervermitteln zu können. Neben Ashton lebt auch Staffordshire-Rüde Tandoro, zwei Jahre, in Kunersdorf. „Ein bis anderthalb Jahre wird der Resozialisierungsprozess dauern“, schätzt Stimming. Durch respektvollen Umgang, klare Strukturen und viel Zuwendung haben er und seine Mitarbeiter begonnen, bei den beiden Terriern Vertrauen zu schaffen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen