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20. November 2017 | 20:22 Uhr

Das Marketing der Salafisten

vom

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2012 | 07:48 Uhr

Wenn Empörung als Reaktion einkalkuliert ist, sollte man die Empörung ein wenig drosseln, ansonsten fällt man auf eine Strategie herein. Und genau danach sieht es aus bei der kostenlosen Koranverteilung in den Fußgängerzonen. Die Empörung ist groß in Deutschland. 25 Millionen Gratis-Exemplare sollen verschenkt werden, behaupten die Salafisten. Ob es nicht eher ein Bruchteil ist, wird nicht gefragt, die Botschaft wird transportiert. Nie zuvor hat die radikale Gruppe so einfach so viel Aufmerksamkeit erhalten wie in den vergangenen Tagen. Für ihre Propaganda, ihre Rekrutierungsversuche, ihre Provokation. Empörung ist Teil des Marketings.

Was also tun? Den mühsamen Weg gehen. Unterschiede aufzeigen. Zwischen Islam und Islamismus, zwischen vier Millionen Muslimen und knapp 5000 Fundamentalisten. Nichts wäre schlimmer als ein Generalverdacht.

Mühsamer Weg heißt aber auch: Die Religionsfreiheit ernst zu nehmen, die Koran-Aktionen nicht zu verbieten und nur einzuschreiten, wenn Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten vorliegen. Ein freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat muss das aushalten – und sollte den Menschen mehr zutrauen. Wer weder die Taschenbibel der Gideon-Anhänger noch den Wachtturm der Zeugen Jehovas lesen will, wird in der Regel auch nicht den Koran in der Übersetzung der Salafisten mit nach Hause nehmen.

Und für die Ausnahmen gilt: Aufklären. Über Feinde einer offenen Gesellschaft und vorsintflutliche Weltbilder. Wie mühsam das ist, zeigt eine ganz ähnliche und doch weit größere Herausforderung: Wie schützt man vor allem Jugendliche vor den unheilvollen Ideologien der Rechtsextremen? Diese Frage beschäftigt Deutschland seit Jahren, ist aktueller denn je und längst nicht abschließend beantwortet. Empörung allein reicht jedenfalls nicht. In keinem Fall.

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