„Das ist erst der Anfang“

Straßenblockade im Schanzenviertel: Demonstranten vor der „Roten Flora“
Straßenblockade im Schanzenviertel: Demonstranten vor der „Roten Flora“

Schwere Krawalle in Hamburg: „Rote-Flora“-Demonstration geht in Gewalt und Rauch auf / Hunderte Verletzte

svz.de von
23. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Am Morgen nach den schwersten Ausschreitungen in Hamburg seit Jahren sind die Spuren der Verwüstung noch längst nicht beseitigt. Schaulustige machen am Sonntag Erinnerungsfotos mit ihren Handys, während die Mitarbeiter der Stadtreinigung die Scherben vor dem linken Kulturzentrum „Rote Flora“ beseitigen – bis zum nächsten Mal.

Dass es ein nächstes Mal geben wird, daran zweifelt kaum jemand in der Hansestadt. Dafür spricht auch, dass am Samstag nach Auflösung der Demonstration für den Erhalt der „Roten Flora“ ein Redner der aufgebrachten Menge zurief: „Das heute ist nicht das Ende, das ist erst der Anfang.“

Etwa eine Stunde zuvor hatte es nicht einmal eine Minute gedauert, bis sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten. Böller und Rauchbomben regneten unmittelbar nach Demo-Beginn auf Polizisten nieder, als Reaktion setzten die Beamten Wasserwerfer und Tränengas ein. Die Ouvertüre eines hochexplosiven Tages in Hamburg, an dessen Ende die Straße rund um die „Rote Flora“ schlimmer als nach einer Silvesternacht aussieht.

Gleich mehrere Konfliktthemen, die seit Wochen in der Hansestadt leidenschaftlich diskutiert werden, standen im Mittelpunkt des Protesttages: Es ging um die Zukunft der „Roten Flora“, den Erhalt der Esso-Häuser, den allgemeinen Wohnungsmangel und die Lage der Lampedusa-Flüchtlinge. „Die Stadt gehört allen“, war eines der Leitmotive der rund 7300 aus dem linken politischen Spektrum stammenden Teilnehmer.

„Solche Gewaltausbrüche hatten wir schon lange nicht mehr“, sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. Doch es gab auch Klagen über das Vorgehen der 3168 Beamten aus mehreren Bundesländern. „Die Polizei war sehr aggressiv und hat übertrieben“, sagte einer der Demonstranten.

Die Bilanz am nächsten Tag: 120 verletzte Polizisten, 19 davon schwer. Aus dem linken Lager hieß es, rund 500 Demonstranten seien verletzt worden. Die Polizei nahm insgesamt 21 Protestler fest.

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