Das große U steht für Vorsorge

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18. September 2012, 05:26 Uhr

Vor der Geburt war der Mutterpass ein ständiger Begleiter der Schwangeren. Dieser hat kurz nach der Entbindung ausgedient. Stattdessen erhalten Eltern ein neues Büchlein mit auf den Weg: Das gelbe Kinderuntersuchungsheft.

Von der Geburt bis zur Einschulung stehen Kindern zehn Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen zu. Das sind Untersuchungen, zu denen Kinder nicht gehen, weil sie krank sind. Der Arzt schaut vielmehr, ob sie sich körperlich und geistig altersgerecht entwickeln. Außerdem sollen so mögliche Krankheiten früh erkannt werden. Sämtliche Befunde dazu hält der Kinderarzt in dem gelben Büchlein fest. Arztbesuche, die zum Beispiel bei Fieber, Mittelohrentzündungen oder Durchfall nötig sind, werden darin nicht notiert.

Die erste Untersuchung findet direkt nach der Geburt statt. Bis zum ersten Geburtstag folgen in immer größeren Abständen fünf weitere. Danach finden sie einmal im Jahr statt. Die Zeiträume dafür sind auf bestimmte Lebensmonate festgelegt.

Eine gesetzliche Pflicht, an den Untersuchungen teilzunehmen, gibt es nicht, sagt das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. In Brandenburg werden jedoch alle Kinder im Alter vom 9. Lebensmonat bis zum Beginn des 13. Lebensjahres zu den altersgerechten Früherkennungsuntersuchungen eingeladen. Zuständig dafür ist die Zentrale Stelle beim Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Diese Zentrale Stelle verschickt dann Einladungsschreiben an die Eltern. "Darin informiert sie zum Inhalt und zum Zweck der jeweils anstehenden Untersuchung und erläutern die rechtliche Grundlage", sagt Dr. Wiebke Zielinski, stellvertretende Ministeriumssprecherin. Erhält die Zentrale Stelle nach dem Ende des jeweiligen Untersuchungszeitraumes und genau zwei Monate vor Ablauf der näher bestimmten Toleranzgrenzen keine Rückmeldung der Kinderarztpraxis, werde ein zweites Schreiben, ein sogenanntes Erinnerungsschreiben, an die Familien versandt. Folge auch auf dieses Schreiben keine Reaktion, würden die Daten des Kindes an das jeweilige zuständige Gesundheitsamt weitergegeben.

Und woher weiß das Landesamt, ob Eltern bei der Untersuchung waren oder nicht? Für die U6, U7 und U8 müssen die niedergelassenen Kinderärzte in Brandenburg der Zentralen Stelle mitteilen, dass die Untersuchung für ein Kind stattgefunden hat.

Die Kosten für die Vorsorge von der U1 bis zur U9 werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Auch bei den privaten Krankenversicherungen werden sie grundsätzlich erstattet, sagt Stephan Caspary vom Verband der Privaten Krankenversicherung.

Der U9 folgen zwei zusätzliche Untersuchungen: Die U10 im Alter von sieben bis acht Jahren sowie die U11 für Kinder zwischen neun und zehn Jahren. Diese werden im Gegensatz zu ihren Vorgängern zwar von vielen, aber nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Sie schließen jedoch die große Lücke zwischen der U9 und der J1, die zwischen zwölf und 14 Jahren vorgesehen ist.

Bei den U-Untersuchungen liegt das Hauptaugenmerk auf der geistigen und körperlichen Entwicklung des Kindes. Bei jedem Termin gibt es verschiedene Parameter, anhand derer der Arzt die Entwicklung beurteilt. Jedes Kind entwickelt sich jedoch auf seine Art.

Deshalb ist es auch ganz natürlich, wenn sich beispielsweise ein Baby im Zeitraum der U5 in der Bauchlage noch nicht mit den Ärmchen nach oben drückt. Oder wenn ein einjähriges Kind "mundfauler" ist als andere in seinem Alter. Möglicherweise kann es dafür schon allein laufen. Oder vielleicht war das Baby auch ein Frühchen und benötigt deshalb für den ein oder anderen Entwicklungsschritt mehr Zeit. Der Arzt beurteilt deshalb einzelne Auffälligkeiten immer in Bezug zur gesamten Entwicklung des Kindes - und erhält so Anhaltspunkte, ob die ein oder andere Verzögerung harmlos ist oder nicht.

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