Das Ende einer öffentlichen Ehe

<strong>Ein Bild aus besseren Tagen:</strong> Christian Wulff mit Ehefrau Bettina. Gestern wurde ihre Trennung offiziell bestätigt.<foto>dpa</foto>
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Ein Bild aus besseren Tagen: Christian Wulff mit Ehefrau Bettina. Gestern wurde ihre Trennung offiziell bestätigt.dpa

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07. Januar 2013, 07:50 Uhr

Berlin/Hannover | Das Bild täuscht. Es ist das wohl vorerst letzte gemeinsame Foto: Heiligabend 2012 stehen die Wulffs noch gemeinsam an der Supermarktkasse in ihrem Heimatort Großburgwedel und erledigen die letzten Weihnachtseinkäufe. Doch das vermeintliche Eheglück war offenbar längst vorbei. Christian und Bettina Wulff haben sich getrennt. Ein Jahr nach seinem Rücktritt gehen der frühere Bundespräsident und seine Frau verschiedene Wege. Gestern unterzeichneten Christian und Bettina Wulff in Hannover bei einem Anwalt eine Trennungserklärung. Das ehemalige Staatsoberhaupt sei inzwischen nach Hannover gezogen, hieß es. Seine Noch-Gattin bleibe mit dem vierjährigen Sohn vorerst im Eigenheim der Familie in Großburg wedel bei Hannover wohnen.

Sie galten als die deutschen Kennedys

Sie galten spätestens mit Wulffs Wahl zum ersten Mann im Staate und dem Einzug ins Berliner Schloss Bellevue als die deutschen Kennedys. Ein junges modernes Paar mit Kindern, Lieblingsmotiv und -thema nicht nur in der Regenbogenpresse. Jetzt das Aus - Ende einer schillernden öffentlichen Ehe.

Ausgerechnet die Bild-Zeitung, deren Recherchen mit zu den Ermittlungen gegen Wulff wegen Vorteilsnahme und schließlich zu seinem Rücktritt als Bundespräsident geführt hatten, meldete gestern die Trennung. Offiziell wurde das Ende von Gernot Lehr, dem Medienanwalt des Ex-Paares, betätigt: "Bettina und Christian Wulff haben sich am Wochenende einvernehmlich räumlich getrennt, nehmen ihre Verantwortung für ihren Sohn gemeinsam wahr und werden keine weiteren Erklärungen zu ihrer privaten Situation abgeben", heißt es in einer knappen offiziellen Erklärung.

2006 hatten sich die beiden kennen- und liebengelernt. Bettina Körner, wie sie damals noch hieß, hatte den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff als Pressereferentin des Reifenherstellers Continental auf einer Südafrika-Reise begleitet. 2008 schließlich die Hochzeit, für den CDU-Politiker die zweite Ehe. Neben dem vierjährigen Sohn hatten beide jeweils noch ein Kind aus der Zeit vor ihrer Ehe.

Spätestens nach Veröffentlichung von Bettina Wulffs Buch "Jenseits des Protokolls" wurde über ein Ende der Ehe spekuliert. Die von einer Journalistin verfassten Erinnerungen der früheren First Lady lesen sich stellenweise wie eine Abrechnung mit ihrem Mann und Ankündigung der jetzt vollzogenen Trennung. So berichtet Bettina Wulff über massive Eheprobleme und Hilfe von Therapeuten während der kurzen Präsidentschaft. Während seiner Rücktrittserklärung am 17. Februar 2012 nach nur 598 Tagen im Amt habe sie sich ganz bewusst von ihrem Mann entfernt aufgestellt, um zu zeigen: "Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau." Etwa nach einem Jahr als First Lady sei bei ihr Angst aufgekeimt, dass sie dafür einen Teil ihres eigenen Lebens verpasse, wie beispielsweise Disko-Besuche, schreibt die 39-jährige.

Auch habe sich die Beziehung zu Christian Wulff verändert. Sie seien weniger ein Paar, sondern mehr ein professionelles Team gewesen. "Jetzt geht es um mich und meine Söhne", heißt es in dem Buch. Worte, die damals aufhorchen ließen. Eine ursprünglich von Bettina Wulff geplante Werbe- und Lesetour für das Buch wurde schließlich abgesagt.

Gerüchte haben sich verdichtet

In der Vorweihnachtszeit 2012 verdichten sich schließlich Gerüchte über eine bevorstehende Trennung des Paares. Bettina Wulff wolle ihren Mann verlassen, hieß es in Berliner CDU-Kreisen. Auch machten Gerüchte über eine neue Beziehung der 39-jährigen zu einem Mann in München die Runde. Ursache für die Trennung seien vor allem die Auswirkungen der Wulff-Affäre und des Rücktritts des Präsidenten gewesen. Die Staatsanwaltschaft prüft noch immer, ob gegen Wulff Anklage wegen des Verdachts auf Vorteilsnahme aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident erhoben werden soll. Bettina Wulff hatte bereits in ihrem Buch beklagt, wie sehr sie die Vorwürfe gegen ihren Mann und die Folgen belastet hätten. Nicht einmal ein Jahr nach dem Rücktritt jetzt auch das Beziehungs-Aus.

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