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Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg : Das Elphi-ABC

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Von A wie Appartements bis Z wie Zuschuss: Alles Wissenswerte zur Elbphilharmonie.

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erstellt am 07.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Die Kosten explodierten, die Klangqualität wurde vertraglich geregelt und jetzt freut sich Hamburg euphorisch über die Elbphilharmonie. Am Mittwoch wird die das Konzerthaus der Superlative eröffnet - auch Angela Merkel und Joachim Gauck haben werden dabei sein. Die Fakten:

 

Apartments

Die 45 Luxuswohnungen befinden sich im Westflügel des Gebäudes. Die Apartments mit Traumblick und Designer-Ausstattung sind  120 bis  400 Quadratmeter groß, die Preise liegen zwischen  drei und zwölf Millionen Euro – jedenfalls dem Vernehmen nach.  Diskretion ist in dieser Preisklasse Ehrensache. 

Baufirma

Den Bau verantwortete Hochtief aus Essen. Zeitweise waren 1000 Arbeiter gleichzeitig eingesetzt. Trotz seiner großen Erfahrung hatte der Baukonzern immer wieder Probleme mit den  Gewerken, vor allem mit dem Dach. Bei der Neuordnung des festgefahrenen Projekts erhielt Hochtief einen Nachschlag von 200 Millionen Euro. 

Chronologie

2003 machte Bürgermeister Ole von Beust (Foto) sich die Idee zu eigen, der Architektenentwurf lag vor. 2007 war Grundsteinlegung, Bauzeit: angeblich dreieinhalb Jahre. Doch 2010 war gerade mal  Richtfest, 2011 kam es zum Baustopp, Stadt und Hochtief stritten vor Gericht.  2012 löste eine Neuordnung  die Blockade.

Dach

Das 7000 Quadratmeter große Dach besteht aus  acht sphärisch, konkav gekrümmten Flächen, die der Dachsilhouette ihre Linienführung verleihen und auf der 6000 schimmernde Pailletten montiert sind. 1000 Tonnen wiegt allein die Dachkonstruktion mit ihren geschwungenen Linien und Spitzen. Darunter verbirgt sich das Stahlfachwerk, das den großen Konzertsaal stützenfrei trägt.

Eintrittskarten

Tickets für Konzerte des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters kosten zwischen zehn und 219 Euro. Für andere Veranstaltungen gelten abweichende Preise. Auf dem Schwarzmarkt erreichen die Preise für die ersten Konzerte  vierstellige Werte.  Buchungen im Internet sowie in den Ticketshops: Erdgeschoss der Elphi,  Kulturcafé (Mönckebergbrunnen), Konzertkasse (Brahmskontor). 

Fassade

Die Glasfassade besteht aus 1100 Fenster-Elementen, die jeweils vier bis fünf Meter breit und mehr als drei Meter hoch sind. Die Glasscheiben wurden bei 600 Grad Celsius auf den Millimeter exakt gebogen und mit kleinen basalt-artigen, reflektierenden Punkten bedruckt. Damit soll eine Überhitzung im Inneren durch  die Sonneneinstrahlung  verhindert werden. 

Großer Saal

Ein Konzertsaal von Weltklasse mit 2100 Plätzen, der aus Schallschutzgründen vom restlichen Gebäude entkoppelt ist. Wie ein Weinberg sind die Publikumsebenen um das Podium herum angeordnet. Der Reflektor -4-  an der Decke hat einen Durchmesser von 15 Metern. Er soll – wie die „Weiße Haut“ – für  herausragende Akustik sorgen und birgt einen Teil der Licht- und Bühnentechnik.

Hotel

Das Fünf-Sterne-Hotel Westin bietet 244 Zimmer und Suiten. Es hat im Ostflügel 14 Stockwerke bezogen, aus den Zimmern fällt der Blick durch bodentiefe Fenster auf Speicherstadt,  HafenCity und Elbe. Das Hotel gehört der Stadt, Westin ist für 20 Jahre Pächter. Die Zimmerpreise beginnen bei rund 200 Euro pro Nacht und enden bei 1100 Euro für die zweigeschossige  Maisonette-Suite.

Intendant

Christoph Lieben-Seutter (52,) musste lange auf die Fertigstellung seines Arbeitsplatzes warten. Der Wiener ist  seit  2007 Generalintendant der Elbphilharmonie und hat schon mehrfach das Eröffnungsprogramm überarbeitet. Nun muss er den Anspruch auf Weltklasse-Musik erfüllen.

Jacques Herzog, Pierre de Meuron

Die Schweizer Architekten (beide 66) schufen den spektakulären Entwurf einer gläsernen Welle auf dem Backsteinspeicher.  Den Aufsatz sehen sie als „riesigen Kristall mit immer wieder neuem Erscheinungsbild“. Das  Honorar für Herzog & de Meuron beträgt 94 Millionen Euro. Einen Gewinn will das Architekturbüro wegen der vielen Verzögerungen aber nicht gemacht haben.

Kaispeicher A

Der gläserne Konzerthaus-Aufbau sitzt auf dem Kaispeicher A. Dieser wurde 1963 bis 1966 nach einem  Entwurf von Werner Kallmorgen erbaut und ruht auf 1111 Betonpfählen im schlammigen Grund. Bis Ende des vorigen Jahrhunderts diente das Backsteingebäude als Lagerhaus, vor allem für  Kakao, aber auch  Kaffee, Tee und Tabak.  Mit dem Siegeszug des Containers verlor der Speicher allmählich seine Funktion. Für die Elbphilharmonie wurde er vollkommen entkernt. Dort sind das Parkhaus -7- mit 433 Plätzen sowie das Kaistudio -8- untergebracht.  

Leuchtturm

Die Elbphilharmonie war von Beginn an als neues Wahrzeichen Hamburgs geplant, das als „Leuchtturm“ weit über die Stadt hinaus strahlen soll. Seit Monaten wirbt die Hansestadt  weltweit mit dem spektakulären Konzerthausbau und zielt dabei nicht nur auf Musikinteressierte; unverhohlenes Vorbild ist das Opernhaus in Sydney. Die ungewöhnliche Architektur soll Touristen anlocken, die bei ihren Deutschland-Besuchen bisher lieber nach Berlin und München fahren.  Dank der Elphi will Hamburg die Bayern-Metropole schon bald als Reiseziel überflügeln.  Die ersten Buchungszahlen bestätigen diese Hoffnung.

Musikerlebnis

Die Elbphilharmonie soll  Musik „allen Menschen zugänglich, nahbar und erfahrbar machen“ –  so der hohe Anspruch. Die Stadt verspricht vielfarbige und  kontrastreiche Konzerte, „frei von künstlerischen Scheuklappen“ . Im Großen und Kleinen Saal -9- soll es Orchesterkonzerte und  konzertante Opernaufführungen mit den besten Orchestern der Welt, Klavier-, Liederabende und Festivals geben, aber auch  Weltmusik, Elektro und Pop. Das  „Tor zur Welt der Musik“ präsentiert ein Musikvermittlungsprogramm mit Konzerten für Kinder und Familien, Mitmachprojekten und Workshops für alle Altersklassen.  

NDR Elbphilharmonie Orchester

Das NDR Elbphilharmonie Orchester mit seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock ist  das Residenzorchester der Elbphilharmonie. Im November 2016 hat das frühere NDR Sinfonieorchester dort eigene Räumlichkeiten bezogen, neben Büroräumen, Stimmzimmern und Lagerräumen gehört dazu auch ein Tonstudio.

Orgel

Die viermanualige Orgel mit 65  Registern steht im Großen Saal; ein Fernwerk mit weiteren Registern befindet sich  im Reflektor. Die Klangqualität der Orgel  entspricht insbesondere dem Repertoire ab dem 19. Jahrhundert, aber auch den Bedürfnissen zeitgenössischer Musik. Sie stammt aus der Werkstatt Johannes Klais Orgelbau in Bonn.

Plaza

Zentraler Begegnungsort ist die Plaza in der Fuge zwischen Kaispeicher und Neubau. Die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform liegt in 37 Metern Höhe und bietet ein faszinierendes 360-Grad-Panorama über Stadt, Fluss und Hafen. Ein Außenrundgang führt einmal um das gesamte Gebäude. Im Innenbereich befinden sich die Hotel-Lobby, Gastronomie, der Shop sowie die Aufgänge zu den Konzertsälen. Die Plaza ist seit November 2016 geöffnet.

Querelen

Zeit- und Kostenplan liefen völlig aus dem Ruder. Statt angeblicher 77 Millionen aus Steuergeld muss Hamburg nun 789 Millionen Euro beisteuern. Die Eröffnung war einst für 2010 angekündigt, es wurde 2017. Ein Untersuchungsausschuss deckte eklatante Fehler des Senats auf, strafrechtliche Folgen hatte das aber nicht.

Restauration

Die Störtebeker Elbphilharmonie Hamburg betreibt auf drei Ebenen Gastronomie – vom  Restaurant mit Bar und Lounge  über Brauspezialitäten vom Fass – Stralsunder Störtebeker – bis zum „Deck & Deli“. Hinzu kommen  sechs Bars in den Foyers -12-des Großen und des Kleinen Konzertsaals sowie die Gastronomie im Hotel Westin.

Spender

Für den Bau der Elbphilharmonie haben Spender insgesamt  57,5 Millionen Euro zugesagt. Der größte Einzelbetrag kommt vom Ehepaar Hannelore  und Helmut Greve (†), nach denen das Foyer des Konzerthauses benannt wird.  Weitere Spenden in Höhe von jeweils zehn Millionen Euro kommen von Michael Otto und der Hermann-Reemtsma-Stiftung.

Tube

Vom Haupteingang führt eine 82 Meter lange, leicht gewölbte Rolltreppe (englisch: Tube für Röhre) quer durch das Gebäude zum Panoramafenster mit Hafenblick. Wer unten losfährt, kann das obere Ende nicht sehen. 8000 Pailletten funkeln an den Wänden. Weltweit ist die Tube die erste gebogene und europaweit die längste Rolltreppe. Die Fahrtzeit beträgt zweieinhalb  Minuten.

U-Bahn

Für eine eigene Haltestelle der Linie U4 hat es zwar nicht gereicht, doch liegt die Station U3-Baumwall lediglich 450 Meter Fußweg entfernt; seit Anfang Dezember trägt sie den Zusatz „Elbphilharmonie“. Das Verkehrskonzept gilt als mögliche Schwachstelle. Außer im Parkhaus gibt es am Konzerthaus keine Parkplätze, auch für Taxis wird es eng. Bei Regen könnten Bahnfahrer nass werden.

Vision

„Erfinder“ der Elbphilharmonie ist der Projektentwickler und Architekt Alexander Gérard. Mit seiner Frau Jana Marko legte er 2001 die Idee  für einen Konzertsaal nebst Mantelbebauung  auf dem historischen Kaispeicher A an der Westspitze der HafenCity vor. Er beauftragte die Architekten mit einem Gebäudeentwurf. 2004 übernahm Hamburg die Regie, Gérard schied aus dem Projekt aus.

Weiße Haut

Sie soll im Großen Saal für optimale Akustik sorgen und besteht aus  10000 Gipsfaserplatten. Sie sind  aus Altpapier und Naturgips  gefertigt, basierend auf 3-D-Berechnungen millimetergenau gefräst und erfüllen die   Anforderungen in Bezug auf akustische Eigenschaften, Gewicht, Brandschutz und Haltbarkeit optimal.

Xylofon und Co.

In der Elbphilharmonie sollen Hamburger Kinder an Musik herangeführt werden. Jeder Schüler soll wenigstens einmal dort zu Besuch sein. Es gibt ein breites Programm, vor allem für Kitas und Schulen. Darunter die Instrumentenwelt im Kaistudio, wo  mehr als 400 Instrumente  zum Ausprobieren bereitstehen. Grundstock ist das Klingende Museum, das in die Elbphilharmonie umzieht.

Yasuhisa Toyota

Das akustische Konzept für die Konzertsäle stammt vom weltberühmten  Klangdesigner  Yasuhisa Toyota (64). Laut Bauvertrag soll er einen der zehn weltbesten Konzertsäle liefern. Der Japaner hat sein Konzept anhand eines detailgetreu im Maßstab 1:10 gebauten Saalmodells messtechnisch überprüft.

Zuschuss

Nicht nur der Bau der Elbphilharmonie war teuer, auch deren Betrieb erfordert einiges an Steuergeld. Wegen der erwarteten Verluste gibt die Stadt einen jährlichen Zuschuss von sechs Millionen Euro. Hinzu kommen einmalig fünf Millionen, um das größere Angebot in der Anfangsphase finanzieren zu können; weitere zehn Millionen Euro stehen für die Marketingkampagne zur Verfügung.

 
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