"Das Dschungelcamp ist eine Parodie auf die Mediengesellschaft"

svz.de von
16. Januar 2013, 06:22 Uhr

Hamburg | Das RTL-Dschungelcamp sei ein Jahres-Event, meint die Wissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher vom Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg. Es sei ein "parodistisch verfremdete Miniaturversion der Mediengesellschaft".

Frau Prof. Dr. Bleicher, woran liegt es, dass die Macher auch 2013 mit dem "Dschungelcamp" Quoten-Erfolg haben, während alle Neuerungen bei den anderen RTL-Klassikern wie "DSDS" oder nicht zu zünden scheinen?

Die Zahl der Castingshows hat sich ja inflationär erhöht. Das Dschungelcamp hingegen wird als jährliches Event inszeniert und täglich ausgestrahlt, was die Zuschauerbindung erhöht. Während in den Castingshows gleichbleibende Inszenierungsmuster langweilen, kann der Zuschauer im Dschungelcamp tagelang beobachten, wie Inszenierungsstrategien angesichts der Herausforderungen scheitern. Außerdem kombiniert das Format exotisches Setting, Comedy und ein mediales Straflager für nervige Ex-Promis.

Warum mögen vor allem Frauen das Format, wie Media Control ermittelt hat?

Im Dschungelcamp bietet sich die Möglichkeit, mit den optischen Fassaden der Bildschirm-Schönheiten abzurechnen. Der tägliche Verfall von ehemaligen Supermodels lässt die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper wachsen.

Was macht die Faszination des Dschungelcamps aus?

Das Dschungelcamp ist eine parodistisch verfremdete Miniaturversion der Mediengesellschaft. Es geht um Inszenierungsstrategien, ihr Scheitern und das Ziel, die Aufmerksamkeit der Massen auf sich zu richten. Gleichzeitig wollen die Zuschauer den echten Menschen hinter der Star-Fassade entdecken. Helmut Berger war in diesem Jahr der einzige wirklich bekannte Promi in diesem Camp und sollte die mediale Berichterstattung anheizen. Die und die mediale Weiterverarbeitung des Materials ist ja ein wesentlicher Faktor der Sendungswirkung.

Wie geplant und gescripted ist das Dschungelcamp?

Die Vorgaben des Dschungelcamp-Formats sorgen für eine gleichbleibende Dramaturgie der einzelnen Episoden. Der schnelle Ausstieg von Helmut Berger war wegen seiner Alkoholsucht absehbar.

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