Splitter : Das Dorf an der Grenze

Hans Peschke befestigte weiße Rosen am Mahnmal für die Grenztoten in der Nähe von Kneese Dorf.
Hans Peschke befestigte weiße Rosen am Mahnmal für die Grenztoten in der Nähe von Kneese Dorf.

svz.de von
23. November 2015, 14:16 Uhr

Je nachdem von wo man kommt, ist Dutzow das letzte Dorf des Ostens oder der erste.

Dutzow grenzt unmittelbar an Schleswig-Holstein, lediglich getrennt durch einen schmalen Bach. Bis 1990 trennten aber eine fast 1000 Meter lange Mauer und Grenzsoldaten auf beiden Seiten Ost und West voneinander. Zuvor hatte Dutzow das gleiche Schicksal wie viele andere Grenzdörfer ereilt: Ein Teil wurde geschleift und zur Sperrzone erklärt. Doch kaum fiel die Mauer machten sich Feuerwehrleute auf beiden Seiten daran, die Grenzanlagen abzureißen und eine Brücke über den Fluss zu bauen. Sie verbindet Dutzow und Kittlitz bis heute und jedes Jahr am 3. Oktober feiern die Gemeinden das mit ihrem Brückenfest.

Doch auch etwas anderes in der Gemeinde erinnert an die Mauer: Der Name Harry Weltzin. Am frühen Morgen des 4. September 1983 fand er beim Versuch, von Ost nach West ein Loch unter dem Grenzzaun zu graben, den Tod. Den ersten Stacheldrahtzaun hatte der Wismarer bereits überwunden. Doch dann löste eine Selbstschussanlage vom Typ SM-70 aus, als Harry Weltzin mit seinem Spaten einen unterirdischen Draht berührte.

In Kneese wurde im August nun eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Mauertoten eingeweiht– die erste in Mecklenburg-Vorpommern. Allein in der Schaalseeregion sollen an der ehemaligen Grenze 16 Menschen ums Leben gekommen sein.

Ein Dorf mitten in der Biosphäre

Kneese liegt mitten im Biosphärenreservat Schaalsee, das seit 2000 als Unesco -Biosphärenreservat anerkannt ist. 309 Quadratkilometer ist das Schutzgebiet groß. Der Schaalsee (24 Quadratkilometer) ist das Kernstück. Wo die Kneeser heute in den Schaalsee springen können, war früher eine Grenzanlage aufgebaut.

Feuerwehr in Not: Kneese braucht Hilfe

Die Kneeser Brandschützer brauchen dringend Unterstützung. Derzeit zählt die Wehr noch 18 Mitglieder, im Ernstfall könnten aber nur acht bis neun ausrücken. „Die Einsatzbereitschaft ist nicht gewährleistet“, sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Hoffmann. Acht Nachwuchs-Brandschützer werden derzeit ausgebildet.

20 Jahre Kultur- und Sportverein Kneese

Siebenmal im Jahr wird Skat gespielt, siebenmal geknobelt, neun Seniorennachmittag werden organisiert, eine Frauentagsfeier, ein Sommerfest mit Programm, Kinderweihnachtsfeier – und das ist längst nicht alles. Der Kultur- und Sportverein Kneese engagiert sich seit 20 Jahren in der Gemeinde .
Im Juli hatte Verein dieses Jubiläum gefeiert. Doch die Freude war getrübt. Denn der Verein zählte nur noch acht Mitglieder. Gedanken ihn einfach einschlafen zu lassen, wurden geschürt. „Die Luft ist raus war ein Satz, der mir noch heute im Ohr klingt“, sagt Annegret Steuteknuel. Der alte Vorstand trat zurück. Das Ende war es dann aber doch nicht. Die Mitglieder wählten einen neuen Vorstand und machten weiter. Und es geht bergauf. Mittlerweile engagieren sich wieder zehn Mitglieder im Kultur- und Sportverein. „In ehrenamtlichen Tätigkeiten darf man sich nicht fragen, was habe ich davon. Es ist immer mit Zeitaufwand und Mühe verbunden. Aber wir machen das nach wie vor sehr gerne“, sagt die Schatzmeisterin.

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