zur Navigation springen
Neue Artikel

12. Dezember 2017 | 07:43 Uhr

Das ändert sich für Kunden

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2012 | 10:58 Uhr

Brüssel | Elektroschrott ist das reinste Rohstofflager. Deshalb hat das Europäische Parlament gestern beschlossen, die Sammelquoten zu erhöhen und es dem Verbraucher leichter zu machen, ausgediente Apparate wie Zahnbürsten "mit Kabel", Mixer oder Rasierer leichter zu entsorgen. Unser Brüsseler Korrespondent Detlef Drewes sagt, was sich für den deutschen Kunden ändert.

Wo kann ich meine Altgeräte richtig entsorgen, damit sie auch recycelt werden?

Grundsätzlich müssen Handel und/oder Kommunen Großgeräte am Haus (Bordsteinkante) abholen. Für Kleingeräte hat die EU nun eine Neuerung vorgeschlagen. Handelt es sich um Produkte unter 25 Zentimeter Größe, sollen Kunden diese künftig in jedem Elektronik-Geschäft abgeben dürfen, sofern dieses mehr als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche hat. Auflagen wie beispielsweise Rücknahme nur gegen Neukauf sind nicht erlaubt. Deutschland geht bislang einen anderen Weg. Hierzulande setzt man auf Wertstoffhöfe sowie freiwillige Rücknahme durch Händler. Es liegt also jetzt an der Bundesregierung, bei der Umsetzung der neuen Richtlinie bis 2013 am bisherigen Sammelsystem festzuhalten oder ebenfalls alle Geschäfte zur Rücknahme zu verpflichten.

Die neuen Energiesparlampen enthalten ja Quecksilber. Gibt es für die jetzt endlich auch eine ordnungsgemäße Entsorgung?

Ja, die neu gefasste EU-Richtlinie bezieht die Energiesparlampen ausdrücklich mit ein. Sie müssen entweder auf Wertstoffhöfen oder bei geringer Größe in den Geschäften zurückgenommen werden. Die Händler könnten dazu Sammelbehälter aufstellen.

Die Abgabe von Altgeräten soll ja kostenlos sein. Auf meinem Wertstoffhof muss ich aber eine Gebühr bezahlen.

Tatsächlich haben einige Kommunen private Entsorger mit der Entgegennahme von getrennten Wertstoffen beauftragt. Sofern dort Gebühren für die Abgabe von alten Elektrogeräten erhoben werden, dürfte dies sowohl ein Verstoß gegen die EU-Richtlinie wie auch die Regelungen sein, die Deutschland bei der Umsetzung beschlossen hat.

Beim Neukauf meines Großgerätes bot mir der Händler eine Pauschale für die Mitnahme des alten Produktes an. Ist das künftig noch erlaubt?

Sofern diese Pauschale die Abholung des bisherigen Gerätes in der Wohnung einschließt, kann auch künftig dafür ein Beitrag erhoben werden. In vielen Fällen bezieht die Gebühr darüber hinaus die ordnungsgemäße Entsorgung des Elektroschrotts ein. Das muss nach Auffassung von Rechtsexperten hingenommen werden, da die Händler ja in ein System zum Betrieb kommunaler Entsorgungsstellen eingezahlt und deshalb ihrer Verpflichtung nachgekommen sind. Wenn der Kunde dieses System nicht nutzt, ist ein Aufpreis erlaubt.

Ich habe mein Elektrogerät über das Internet bei einem ausländischen Anbieter gekauft. Bekomme ich jetzt Probleme, wenn ich das Produkt entsorgen will?

Nein. Internethändler, die Großgeräte vertreiben, müssen künftig einen nationalen Ansprechpartner benennen, der sich auch um die lokale Entsorgung kümmert. Bei Kleingeräten entfällt dies, da die Geräte ja entweder auf einem Wertstoffhof oder in Geschäften entgegengenommen werden.

Gibt es Ausnahmen für Produkte, die derzeit noch nicht zur Entsorgung angenommen werden?

Es gibt Sonderregelungen. So ist beispielsweise die Entsorgung von Photovoltaik-Modulen noch nicht klar geregelt. Der Rest betrifft im Wesentlichen elektronische Großgeräte wie Baukräne, Elektro-Pkw oder mobile Elektro-Geräte wie Baustapler, von denen der Verbraucher nicht betroffen ist. Ansonsten gilt - übrigens im Unterschied zu bisher -, dass grundsätzliche alle Elektro- und Elektronik-Altgeräte unter den Anwendungsbereich der Richtlinie fallen.

Deutschland sammelt bereits über 90 Prozent des E-Schrotts ein. Da gibt es doch kaum noch etwas zu verbessern?

Das stimmt. Aber nur auf den ersten Blick. Die Europäische Statistikbehörde Eurostat belegt beispielsweise, dass im Jahr 2008 in der Bundesrepublik 94 Prozent der Unterhaltungselektronik-Geräte bei den Sammelstellen abgegeben, aber nur 80 Prozent recycelt wurden. Bei den Kleingeräten liegen die Sammelquoten deutlich niedriger als bei Waschmaschinen oder Kühlschränken, weil die noch viel zu oft im Müll landen. Also kann auch Deutschland noch deutlich besser werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen