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18. Dezember 2017 | 06:12 Uhr

Damwild bringt ICE zum Stehen

vom

svz.de von
erstellt am 12.Dez.2011 | 07:36 Uhr

Bad Wilsnack | Mehr als zweieinhalb Stunden außerplanmäßiger Stopp und Umstieg in einen Ersatzzug auf freier Strecke: Ihre Bahnfahrt von Berlin in Richtung Hamburg hatten sich die 300 Passagiere, deren ICE gestern früh gegen 6.30 Uhr durch einen Wildunfall in der Prignitz liegen blieb, mit Sicherheit ganz anders vorgestellt. Etwa drei Kilometer vor Bad Wilsnack stößt der Zug bei Tempo 230 mit einer Gruppe von drei Damhirschen zusammen. Die Tiere überleben den Unfall nicht, aber auch für den Zug ist vorerst Endstation, denn die Wucht des Aufpralls - Damhirsche erreichen ein Körpergewicht von bis zu 100 Kilogramm - hat die Vorderseite des Triebkopfes erheblich beschädigt.

Gegen 9.30 Uhr können die Passagiere in einen aus Berlin nach Bad Wilsnack beorderten Ersatzzug umsteigen und ihre Reise fortsetzen. Um den Havariezug zumindest provisorisch wieder fahrfähig zu machen, schickt die Bahn zudem einen Notfallzug des Ausbesserungswerkes Wittenberge zur Unfallstelle. "Mit Trennschleifern und schwerem Werkzeug mussten wir die Frontverkleidung und den Unterfahrschutz des Triebkopfes demontieren, da diese Teile lose bis auf die Gleise herunterhingen", erklärt ein Mitarbeiter des Notfallzuges die Maßnahmen vor Ort. Für das rund um die Uhr in Bereitschaft stehende Technikerteam ein Routineeinsatz. "Das ist in diesem Jahr das sechste Mal, dass wir zu einem Wildunfall ausrücken. Bei dem Tempo, das die Züge fahren, sind derartige Schäden an den Zügen bei einem Zusammenstoß mit Wild der Normalfall."

Weiterfahrt mit Tempo 100 bis nach Hamburg

Während die Techniker am Zug arbeiten, ist die Strecke nur auf einem Gleis und mit Langsamfahrt für andere Züge passierbar. "Auf der ICE-Strecke gab es dadurch natürlich Verzögerungen", kommentierte Bahnsprecher Burkhard Ahlert den Vorfall. "Regionalzüge haben wir zum Teil über Stendal umgeleitet, um den Verkehr auf der Strecke zu minimieren."

Nach rund einer Stunde sind die Arbeiten erledigt, die losen Teile abgetrennt. "Jetzt kann der Zug mit maximal Tempo 100 weiter fahren bis nach Hamburg", erklärt Bahn-Notfallmanager Bert Helbig, der den Einsatz vor Ort koordiniert hat. "Zuerst muss die Leitstelle allerdings einen Fahrplan für den Defektzug ausarbeiten, damit er den Taktfahrplan nicht durcheinander bringt." Generell müsse man in der Prignitz als wald- und wildreiches Gebiet stets mit derartigen Vorfällen rechnen, so Helbig.

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