„Connecting People“ in Jucu: Nokia schweigt zu Plänen in Rumänien

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11. Februar 2008, 07:06 Uhr

Jucu - Es war eine eigenartige Veranstaltung, zu der der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia die Weltpresse am Montag ins siebenbürgische Jucu eingeladen hatte. Zur Feier des Produktionsbeginns im rumänischen Nokia-Werk hatten Beobachter gehofft, vom Nokia-Vizepräsidenten Juha Putkiranta zu erfahren, wieviel billiger das Bauen von Handys hier ist im Vergleich zu Bochum, wo der finnische Konzern seine Fabrik schließen will. Es hätte auch interessiert, wie viele Handys pro Minute hier entstehen sollen, welche Profiterwartung damit verbunden ist und wieviel die Arbeiter verdienen. Doch der Herr aus Helsinki weigerte sich strikt, derartige Zahlen zu nennen.

Nur soviel verriet Putkiranta: 350 Arbeiter setzen derzeit in Jucu die Fertigteile zusammen. Bis 2009 sollen es zehnmal mehr werden. Schon bis Ende dieses Jahres soll die jetzt stehende Fabrikhalle zu ihrer endgültigen Größe erweitert werden. Um wieviel Tausend Quadratmeter es geht, bleibt ein Betriebsgeheimnis.

Fest steht: Nokia hat 90 Hektar eines insgesamt 159 Hektar großen Industrieparks gepachtet. Putkiranta hofft, dass sich baldmöglichst drei bis fünf Nokia-Zulieferer dort niederlassen, damit die Produktionskosten noch schneller und tiefer sinken. Eigentümer des Industrieparks ist die Firma Tetarom, die zu mehr als 90 Prozent der Regionalregierung in Cluj gehört. Tetarom will erreichen, dass Nokia 30 Jahre lang keine Immobiliensteuer bezahlen muss - als eine Art Garantie. Nokia soll sich verpflichten, nicht vor dieser Frist Jucu zu verlassen, oder anderenfalls diese Steuer rückwirkend zu bezahlen.

Der Nokia-Slogan „Connecting People“ („Leute verbinden“) hatte in Jucu einen bitteren Beigeschmack. Vorarbeiter und uniformierte Aufpasser bemühten sich, jeden Kontakt der Presse mit den Arbeitern zu unterbinden. Es ging offenbar darum zu verhindern, dass diese über ihre Löhne sprechen. Journalisten, die bei der Werkseröffnung dennoch Arbeiter ansprachen, bekamen von diesen keinerlei Antwort auf noch so harmlose Fragen nach Herkunft und früherem Beruf.

Die rumänische Nokia-Pressereferentin Anna Simai erklärte dazu: „Die Arbeiter haben doch gerade erst hier angefangen, die sind nicht relevant“. Lokalzeitungen hatten berichtet, dass Nokia den Facharbeitern umgerechnet rund 200 Euro bezahlt. Dies ist weniger als die Hälfte eines rumänischen Durchschnittsgehalts. Im Raum Cluj aber verdienen etwa Arbeiter in Textil- und Schuhfabriken, die in Cluj mehrfach vorhanden sind, nur etwa 100 Euro pro Monat. Daher kursiert die Vermutung, dass Nokia vor allem unzufriedene Arbeiterinnen aus diesen Branchen angestellt habe.

Nokia hat angeblich angedeutet, in der Fabrik keine gewerkschaftliche Organisation zu wünschen. Dennoch will der große rumänische Gewerkschaftsbund Cartel Alfa in der Nokia-Fabrik eine Basisorganisation gründen. Grigore Pop, Präsident von Cartel Alfa, will Nokia einen Tarifvertrag vorlegen. Es gehe ihm auch darum, in Jucu „Situationen wie in Bochum“ vorzubeugen. Für so manchen armen Bauern aus Jucu und Umgebung ist allerdings auch der Nokia- Niedriglohn vorerst noch ein Geschenk des Himmels.

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