CDU-Chef auf der Anklagebank

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29. Februar 2008, 09:45 Uhr

Rostock - Bei Geld hört die (Partei-)Freundschaft auf: Ein CDU-interner Streit um Mietschulden aus 2006 landet nun vor dem Rostocker Amtsgericht. Der ehemalige Landtagsabgeordnete Reinhardt Thomas wirft dem Rostocker Kreisvorsitzenden Dieter Schörken üble Nachrede vor und macht ihn für sein politisches Karriereende verantwortlich.

Offensichtlich lasse sich die Sache nicht auf anderem Wege aus der Welt schaffen, begründet Thomas die Strafanzeige, die er bereits im März 2006 gestellt hatte. Der Ex-Landtagsabgeordneter wirft seinem ehemaligen Parteifreund Schörken vor, ihn auf einer Wahlkampfveranstaltung im Januar 2006 öffentlich bloßgestellt zu haben. Der CDU-Chef soll erklärt haben, dass Thomas dem Kreisverband 17 500 Euro Miete schulde. In der Anklageschrift heißt es dazu: „Damit sollte die Lauterkeit des Kandidaten in Frage gestellt werden.“ Absicht oder nicht: Thomas verlor seinen Sitz im Landtag, wurde nicht wiedergewählt.
Schörken nennt die Vorwürfe absurd. Die Mietschulden seien schon vorher bekannt gewesen, die genaue Summe habe er nicht genannt, rechtfertigt sich der CDU-Chef. In einem einige Tage vorher öffentlich gemachten Briefes, forderte Thomas mit Verweis auf die Diskussion um die Mietschulden den Rücktritt Schörkens. Für den Beklagten ist damit klar: „Ich habe ihm niemals übel nachgeredet, die Vorgänge hat Herr Thomas selbst in die Öffentlichkeit getragen.“

Die CDU warf ihrem ehemaligen innenpolitischen Sprecher konkret vor, zwischen November 2001 und Ende 2005 die Miete für ein Büro in der Kreisgeschäftsstelle in der Kröpeliner Straße nicht oder unvollständig bezahlt zu haben. Verabredet seien 350 Euro im Monat. Thomas, der als Querkopf in der CDU und scharfer Gegner des ehemaligen Landesvorsitzenden Eckhardt Rehberg gilt, beteuert die Beiträge als Miete und Spende an den Kreisverband gezahlt zu haben. Das bestreitet die CDU mittlerweile nicht mehr, verweist allerdings darauf, dass noch etliche Rückstände bestehen würden. Schörken: „Der Kreisvorstand hat mich beauftragt, die fehlenden Beträge jetzt vor Gericht einzufordern.“

Am 19. März wird sich das Rostocker Amtsgericht mit dem CDU-Streit beschäftigen. Bei einer Verurteilung droht dem amtierenden Kreisvorsitzenden Dieter Schörken im Höchstfall eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahre.

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