CD-Werk: Entlassungswelle rollt

Die Belegschaft des DVD-Werks wurde im benachbarten Tigerpark über die Zukunft des Betriebs informiert. Foto: Malte Behnk
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Die Belegschaft des DVD-Werks wurde im benachbarten Tigerpark über die Zukunft des Betriebs informiert. Foto: Malte Behnk

Während sich in Rostock beim Spatenstich für den Windkraftanlagenbauer Nordex gestern zwei Minister drängten, rollte bei DVD-Hersteller in Dassow die Entlassungswelle an. Dort erklärte Insolvenzverwalter Marc Odebrecht, wie es jetzt weiter geht.

svz.de von
25. Januar 2008, 10:59 Uhr

Dassow - "Ich halte das, was hier abläuft für staatlich legitimierten Wirtschaftsbetrug", sagt einer der hundert Fahrer des DVD-Werks in Dassow, als er den Pavillon im Tigerpark verlässt. Schließlich hätte es für das DVD-Werk Subventionen gegeben, ohne zu kontrollieren, was mit den Geldern passiert. "Das Geld wurde zum Fenster rausgeschmissen." Hier war gestern die gesamte Belegschaft des Werks über die künftige Entwicklung ihrer Arbeitsplätze informiert worden.

Für den 47-jährigen Wismaraner, der täglich Paletten voller CDs und DVDs durch ganz Europa kutschiert hat, bietet das Werk aber keine Zukunft. Die komplette Transportabteilung wird zum Ende des Monats aufgelöst. Hundert Fahrer stehen damit auf der Straße. "Persönlich habe ich Glück, da ich schuldenfrei bin. Aber, jüngere Kollegen haben eine Familie gegründet und teilweise gebaut. Die sind jetzt schlecht dran", sagt der Fahrer.

Erste Bewerbungen werden geschrieben

Zu den jüngeren Angestellten zählt auch Roger Puhlmann (23) aus Dassow. "Ich schreibe zurzeit viele Bewerbungen und hoffe einen neuen Job in der Nähe zu bekommen", sagt der junge Mann, dem es gut gefallen hat, im Heimatort zu arbeiten. Allerdings sei der durchschnittliche Stundenlohn von acht Euro auch nicht berauschend gewesen.

Ähnlich geht es dem 29-jährigen Daniel Hoffmann aus Roggenstorf. Auch er sucht nach einem Ersatz, sollte er zu der Hälfte der Belegschaft gehören, die von einem künftigen Investor nicht übernommen wird. "Bleiben werden wohl eher die Älteren, die auch Kinder haben", sagt Hoffmann, der gerne in der Region bleiben möchte. "In Hamburg wäre es sicher leichter etwas zu finden, aber das wäre auch eine ziemlich große Veränderung."

"Ab nächste Woche kommen die Kündigungen", sagt Nino Klein, dem es nach der Zusammenkunft im Tigerpark schwer fiel, wie gewohnt weiter zu arbeiten. Denn er weiß: "Einen Job in Dassow und Umgebung zu finden, wird sehr schwer." Noch hat er aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er unter den 500 Mitarbeitern ist, die bleiben. Deshalb will er auch noch keine Bewerbungen schreiben. "Ich warte erst einmal ab."

Weniger überrascht war eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte. "Wir haben ja gewusst, dass die Hälfte gehen muss." Jetzt ist es offiziell. Deshalb habe sie Angst. Angst vor der Arbeitslosigkeit und der Zukunft, die ungewiss ist. "Meine Stimmung ist richtig geknickt", sagt die Frau, die über 50 Jahre alt und den Tränen nah ist.

Verhandlungen mit Investoren laufen
Allgemein war die Stimmung unter den Beschäftigten gestern gedrückt, hatten sie doch nichts Neues oder zumindest nichts Besseres gehört, als man ihnen schon bei Versammlungen in den vergangenen Wochen erklärt hatte.
Fakt ist, dass die Produktion von vier auf drei Schichten herunter gefahren wird. Auch die noch laufenden Verhandlungen mit Investoren werden daran nichts ändern. "Wir haben gestern im Gläubigerausschuss alle Angebote beraten und mit zwei Interessenten soll ich weitere Verhandlungen führen. Allerdings gehen beide Gebote von einer Übernahme von 500 Mitarbeitern aus", erklärte Insolvenzverwalter Marc Odebrecht.

Er hält die jetzige Lage mit zwei Bietern auf das DVD-Werk für einen idealen Ausgangspunkt für die letzten Verhandlungen. In den nächsten Tagen wird ein Sozialplan aufgestellt werden. Zum bestehenden Gerücht, unter den neuen Bietern befänden sich auch die alten Besitzer des Werkes, wollte er sich nicht äußern. "Das gebieten die Verfahrensregeln. Aber, sicher wird sich der Bieter der den Zuschlag erhält der Öffentlichkeit präsentieren", so Odebrecht.

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