Bundesrat billigt Entschädigung bei Zug-Verspätungen

Bei Zug-Verspätungen ab 60 Minuten bekommen die Fahrgäste 25 Prozent des Fahrpreises erstattet, ab zwei Stunden sind es 50 Prozent. (Bild: dpa)
Bei Zug-Verspätungen ab 60 Minuten bekommen die Fahrgäste 25 Prozent des Fahrpreises erstattet, ab zwei Stunden sind es 50 Prozent. (Bild: dpa)

Bahnreisende haben bei größeren Zug-Verspätungen und -Ausfällen ab sofort ein gesetzliches Recht auf Entschädigung. Der Bundesrat bestätigte am Freitag, den 15. Mai in Berlin eine vorangegangene Entscheidung des Bundestages.

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17. Mai 2009, 05:55 Uhr

Berlin (dpa) - Das Gesetz sieht vor, dass Fahrgäste bei Verspätungen ab 60 Minuten die 25 Prozent des Fahrpreises erstattet bekommen. Ab zwei Stunden sind es sogar 50 Prozent.

Die Fahrgäste können eine Auszahlung der Entschädigung in bar verlangen. Ausgezahlt werden aber nur Beträge von mehr als 4 Euro. Bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten ist eine kostenlose Hotelunterkunft anzubieten, wenn wegen der Unpünktlichkeit oder des Ausfalls eine Übernachtung erforderlich wird.

Das Gesetz im Detail:

Entschädigungen im Nah- und Fernverkehr: Kommt der Fahrgast eine Stunde verspätet am Zielort an, ist ein Viertel des Fahrpreises zu erstatten, bei mindestens zweistündiger Verspätung steigt die Entschädigung auf die Hälfte des Ticketbetrags. Die Regelung gilt auch dann, wenn ein Fahrgast wegen einer vergleichsweise kleinen Verspätung seinen Anschluss verpasst hat.

Hotel: Bei mindestens 60 Minuten Verspätung ist eine kostenlose Hotelunterkunft anzubieten, wenn wegen der Unpünktlichkeit oder des Ausfalls eine Übernachtung erforderlich wird.

Ersatz im Nahverkehr: Bei Fahrten innerhalb eines 50-Kilometer-Radius werden die Fahrgäste bei Verspätungen oder Zugausfällen auf andere Verkehrsmittel ausweichen können, gegebenenfalls sogar auf ein Taxi. Als Aufwendungsersatz hierfür sind bis zu 80 Euro vorgesehen. Das gilt bei einer Verspätung von 60 Minuten und einer fahrplanmäßigen Ankunftszeit zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr, wenn keine preisgünstigeren öffentlichen Verkehrsmittel mehr zur Verfügung stehen. Die Taxifahrt wird auch anerkannt, wenn der letzte fahrplanmäßige Zug des Tages ausfällt.

Ausweichen: Ist im Nahverkehr eine Verspätung von mindestens 20 Minuten absehbar, kann der Fahrgast - soweit möglich - auch Fernverkehrszüge wie IC oder ICE ohne Aufpreis und ohne Kartentausch am Schalter nutzen. Das gilt nicht bei Zügen mit Reservierungspflicht wie beim City Night Line oder ICE Sprinter.

Erstattung des Preises: Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Fahrgast auch von einer Fahrt absehen und Erstattung des Fahrpreises verlangen oder die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt auch mit geänderter Streckenführung antreten.

Sonderregeln für Vielfahrer: Sonderregeln gelten für Zeitfahrkarten wie etwa die Bahncard 100. Hier greifen die genannten Pauschalen nicht. In diesen Fällen müssen die Bahnen in ihren Beförderungsbedingungen eine «angemessene Entschädigung» nach Angaben des Justizministeriums für den Fall vorsehen, dass der Fahrgast «wiederholt Verspätungen erleidet».

Bei Konflikten: Eine neue Schlichtungsstelle für Unstimmigkeiten wird eingerichtet. Die Bahnen sind von Haftung frei, wenn die Verspätung nicht in ihrem Einflussbereich liegt und sie sie auch bei äußerster Sorgfalt nicht vermeiden können. Beispiel: Ein Lkw durchbricht die Schranken und zwingt den Zug zu längerer Wartezeit.

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